Antiterrorübung in USA Die schmutzige Bombe der "Glodo"
Seattle - Das Drehbuch klingt nach Hollywood: Eine terroristische Organisation mit dem Namen "Glodo" zündet eine so genannte "schmutzige Bombe", die mit radioaktivem Material angereichert ist, in einem Auto im Industriegebiet von Seattle. Ein Bus wird von der Wucht der Explosion umgerissen, ein anderer wird zerstört. Zahlreiche Autos brennen auf den Straßen. Die Bilanz: 150 Menschen werden getötet oder lebensgefährlich verletzt. Radioaktive Wolken ziehen kilometerweit über der Stadt. Eine zweite Autobombe wird im 65 Kilometer entfernten Tacoma gezündet, ein Terrorist dringt in die Universitätsgebäude ein und nimmt Geiseln.
Was nach einem Drehbuch für ein Action-Spektakel aus Hollywood klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Mit der bislang größten Terrorschutzübung in der Geschichte des Landes testen die Vereinigten Staaten Maßnahmen, mit denen Polizei und Feuerwehr auf Angriffe mit Atom- und Biowaffen reagieren. Es ist der erste Test seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington vom 11. September 2001. Fünf Tage werden die Übungen dauern.
Hunderte Feuerwehrleute, Polizisten und Mitarbeiter von Rettungsdiensten sind an der Übung beteiligt. Das "Topoff 2" genannte Manöver sollte möglichst realitätsnah ablaufen. Ein falsches Nachrichtenteam war auf der Suche nach Bildern von brennenden Autos und Rettern mit Gasmasken. Sogar an Doubles von Präsident George W. Bush, Vizepräsident Dick Cheney und Präsidentensprecher Ari Fleischer wurde gedacht. Hunderte von Beobachtern begleiten die Tests und halten ihre Erkenntnisse zur spätere Auswertung fest.
Wie sich Behörden im Falle eines Biowaffenangriffs verhalten sollten, wird in der Hauptstadt Washington und in Chicago geprobt. Nach dem Skript werden dort in den nächsten Tagen Menschen mit Symptomen einer Grippeinfektion wie Husten und Fieber die Krankenhäuser aufsuchen.
16 Millionen Dollar (13,8 Millionen Euro) verschlingt das Manöver, das vom Ministerium für Heimatschutz geleitet wird. Die Rollen der insgesamt mehr als 8500 Beschäftigten staatlicher Behörden und des Roten Kreuzes, die an der Übung teilnehmen, wurden in einem 200 Seiten starken Drehbuch festgehalten. 18 Monate haben die Vorbereitungen für die Terrorübung gedauert.
Die Idee sei, zu erkennen, wo die Stärken und Schwächen der regionalen und nationalen Behörden liegen, sagte der Bürgermeister von Seattle, Greg Nickels, der "Washington Post".
"Nach meiner Einschätzung sind wir sehr nah am Ziel", sagte der stellvertretende Polizeichef von Seattle, Clark Kimerer vor Reportern. Aber trotz all der Vorbereitung für die Übung gebe es auch Schwächen, die nun analysiert werden müssten.