Gestorben Antonio Negri, 90
Der Kommunismus wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt: Sein Vater, ein Arbeiter aus dem Veneto, war einer der Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens. In den Sechzigerjahren wurde Antonio Negri Professor für Philosophie in Padua und begann gedanklich jenen Sonderweg der italienischen Linken vorzubereiten, der in den Siebzigerjahren zu militanten Kämpfen überall im Land führen sollte. »Operaismus« nannte sich diese Spielart des Marxismus, die sich gleichermaßen gegen Staat und Kapital richtete. 1
979 wurde Negri verhaftet und wegen des Vorwurfs des Terrorismus und Umsturzversuchs angeklagt. 1984 wurde er zu 30 Jahren Haft verurteilt, 1986 zu weiteren viereinhalb. Er floh nach Frankreich, kehrte aber 1997 nach Italien zurück und saß einen Teil seiner Strafe ab. 2000 veröffentlichte er zusammen mit dem Amerikaner Michael Hardt »Empire«, ein Buch, das versucht, die Erfahrungen der radikalen Linken der Siebzigerjahre mit der neuen globalisierungskritischen Bewegung zu verbinden. Etwa durch den Begriff »Multitude« – das sollte ein neues revolutionäres Subjekt sein, das nicht mehr das Proletariat war, sondern das große Nebeneinander vieler verschiedener Subjektivitäten. Tatsächlich wurde »Empire« mit dem »Kommunistischen Manifest« verglichen – auch deshalb, weil es überzeugend suggeriert, die Lektüre sei der erste Schritt auf dem Weg in eine bessere Welt. Negri kam damals häufig für Veranstaltungen nach Deutschland, ein feiner und sensibler Mann, der immer optimistisch blieb. Antonio Negri starb in der Nacht zum 16. Dezember in Paris.