Anwaltswechsel Motassadeq-Prozess wird unterbrochen
Hamburg - Eine siebentägige Unterbrechung reiche aus, um eine angemessene Verteidigung sicher zu stellen, befand das Hanseatische Oberlandesgericht heute in Hamburg. Zwar hatte die Verteidigung einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens gestellt. Die Richter wiesen diesen jedoch mit der Begründung zurück, dass in diesem Falle der Prozess geplatzt wäre und neu hätte aufgerollt werden müssen.
Motassadeqs Anwalt Josef Gräßle-Münscher war am Samstag mit seinem Motorrad der Marke Ducati schwer verunglückt und schwebt seitdem in Lebensgefahr. Die Verteidigung übernahm daraufhin Rechtsanwalt Gerhard Strate, der den Marokkaner bereits in seinem Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof vertreten hatte.
Motassadeq ist wegen Beihilfe zum Mord an über 3000 Menschen sowie der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Als weltweit erster Verdächtiger war er im Zusammenhang mit den Anschlägen in New York und Washington vor Gericht gestellt und zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde jedoch vom Bundesgerichtshof wieder aufgehoben, weil unter anderem möglicherweise entlastende Zeugenaussagen nicht gehört werden konnten.
Motassadeq war daraufhin im April 2004 aus der Haft entlassen worden. Das derzeitige Verfahren wird von einem anderen Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamburg neu aufgerollt. Nach jetzt aus den USA gelieferten Zeugenaussagen, die Motassadeq entlasteten, wird im zweiten Prozess kaum noch mit einer Verurteilung im Sinne der Anklage gerechnet.