Apfel aus dem KZ - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 59 / 126

OBSTBAU Apfel aus dem KZ

• aus DER SPIEGEL 22/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Einen kräftigen Wuchs hat der Baum, eine breite Krone, er ist anspruchslos und robust, und er bringt einen leckeren Tafelapfel hervor. Mittelgroß, goldgelb, mit grünlich weißem Fruchtfleisch und harmonischem Zucker-Säure-Verhältnis. Ein Prachtstück von Apfel, gezüchtet im Konzentrationslager. »In Dachau«, sagt der Obstzüchter Peter Klock, 53, »wurde der Korbiniansapfel erstmals gezogen - allerdings hieß er damals noch KZ 3.« Dieser KZ 3 war das Züchtungswerk des bayerischen Pfarrers Korbinian Aigner. Und »Apfelpfarrer« Aigner predigte nicht nur das Wort Gottes, sondern gründete auch einen Obstbauverein und legte sich mit den Nazis an. 1939 wurde er ins KZ Dachau gesteckt. »Wo er auf den spärlichen Grünstreifen Äpfel züchtete«, sagt Klock, »wahrscheinlich als Symbol für Hoffnung.« Von den vier Sorten - KZ 1 bis KZ 4 - war die Züchtung Nummer drei die beste; dem Geistlichen zum Angedenken wurde sie Anfang der achtziger Jahre in Korbiniansapfel umbenannt - aber bislang nicht vermarktet. Nun will Klock, der im norddeutschen Dörfchen Witzeeze (Telefon 04155-6215) eine Baumschule betreibt, die KZ-Sorte vermarkten. Für 44 Mark kann man bei Klocks Firma »Südflora« ein balkontaugliches Bäumchen bestellen; fünf Mark davon sollen an die Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« gehen und so den ehemaligen Zwangsarbeitern zugute kommen. »Dieser Apfel hat eine traurige Vergangenheit«, sagt Klock, »aber eine goldene Zukunft.«

Zur Ausgabe
Artikel 59 / 126