Asbest-Schiff Odyssee der "Clemenceau" endet in Brest
Brest - Das 266 Meter lange Schiff wurde am Morgen in den Militärhafen der westfranzösischen Stadt geschleppt, nachdem seine geplante Verschrottung in Indien aus Umweltschutzgründen aufgegeben worden war. In Frankreich sollen jetzt neue Gutachten über das in der Hülle des Kriegsschiffes verbliebene Asbest erstellt werden. Das Verteidigungsministerium in Paris will bis 2008 entscheiden, wo das Schiff entsorgt wird.
Die "Clemenceau" bei ihrer Ankunft in Brest
Foto: AFPDie "Clemenceau" war der einstige Stolz der französischen Flotte. Die Jets und Hubschrauber auf dem Flugzeugträger "Clemenceau" operierten ab 1961 in vielen Krisengebieten. Seit Jahren allerdings irrte der Koloss immer wieder wie ein Geisterschiff über die Meere. Kein Land wollte die "Clemenceau" aufnehmen, steckt sie doch immer noch voll Asbest und anderer Gifte.
Die 45 Jahre alte "Clemenceau" war am 31. Dezember aus dem südfranzösischen Militärhafen Toulon ausgelaufen. Mitte Januar verloren die Verantwortlichen mal wieder ein Scharmützel in diesem Kampf. Im Mittelmeer enterten Greenpeace-Aktivisten das menschenleere und manövrierunfähige Schiff, das von Schleppern nach Indien gebracht werden sollte. Die Umweltschützer entrollten ein Protestplakat mit der Aufschrift "Asbest-Träger bleib weg von Indien". Hilflos mussten Soldaten im Hubschrauber der französischen Begleit-Fregatte "Aconit" die 36-stündige Besetzung des Trägers durch die Ökos mitansehen.
Allen Widrigkeiten zum Trotz erreichte das Schiff, von einem Schlepper gezogen, schließlich über den Suez-Kanal den Indischen Ozean, musste dann aber auf Anweisung von Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac umkehren. Chirac reagierte damit auf Bedenken des Obersten Gerichtshofes in Indien und des höchsten französischen Verwaltungsgerichtes. Umweltschutzorganisationen hatten wegen der befürchteten Gesundheitsgefährdung der Arbeiter auf dem weltgrößten Schiffsfriedhof im westindischen Alang Klagen eingereicht. Die Rückfahrt führte die "Clemenceau" um Afrika und durch den Atlantik nach Brest. Insgesamt legte der ausrangierte Flugzeugträger damit 18.000 Kilometer umsonst zurück.
Es sei "traurig", dass das altgediente Schiff auf diese Weise an den Ort zurückkehren müsse, an dem es 1961 in Dienst gestellt wurde, sagte Hafenarbeiter Pierre Nicol in Brest nach dem Einlaufen der "Clem": "Das ist ein Schiff, das Teil der Geschichte ist." Umweltschutzorganisationen zeigten sich dagegen zufrieden. "Das ist das Ende einer Geschichte und der Beginn einer anderen", sagte Yannick Jadot von Greenpeace. Er ging davon aus, dass Frankreich nun eigene Anlagen zur Verschrottung von Schiffen bauen werde. Greenpeace vermutet zwischen 500 und 1000 Tonnen asbesthaltiges Material in dem Schiff. Das Verteidigungsministerium geht nur von 46 Tonnen aus.
dab/AFP