Atom-U-Boot versenkt Trawler Neun Menschen vermisst
Honolulu/Tokio - US-Küstenwache und Marine suchen zehn Stunden nach dem Unglück nach den neuen Vermissten der "Ehime Maru". Es handele sich um vier 17-jährige Schüler, zwei Lehrer und drei Besatzungsmitglieder, berichtete der japanische Fernsehsenders NHK. Im Heimathafen Uwajima löste die Nachricht vom Untergang des Schulschiffes Entsetzen aus. In der Fischereihochschule der südwestjapanischen Stadt versammelten sich verzweifelte Angehörige und Freunde der Vermissten. "Ich hatte die Schüler in der Hoffnung weggeschickt, dass es eine wertvolle Erfahrung sein würde", sagte der stellvertretende Schulleiter Kazumitsu Joko. "Ich kann nicht glauben, dass dies passiert ist."
Die "Greeneville" befand sich laut Marineangaben auf einer Routinefahrt vor der Insel Oahu. 14 Kilometer vor dem Hafen von Honolulu stieß das U-Boot beim Auftauchen gegen das japanische Fischereischiff. Dabei schlitzte es den Maschinenraum der "Ehime Maru" auf, das Schiff sank innerhalb weniger Minuten. "Die meisten Menschen waren unter Deck", sagte der Dolmetscher Michael Carr von der Küstenwache nach Gesprächen mit den Geretteten. "Nachdem das Licht ausging, brüllten alle, dass Wasser ins Schiff laufe."
Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Präsident George W. Bush sei über den Vorfall informiert worden. Der japanische Ministerpräsident Yoshiro Mori erklärte, die USA hätten sich für den Vorfall entschuldigt und versprochen, alles zur Rettung der Vermissten zu unternehmen. Das japanische Kabinett richtete einen Krisenstab ein.
Die genaue Unglücksursache war zunächst nicht bekannt. Die Marine bedauerte den "unglücklichen Vorfall" und nahm nach eigenen Angaben Ermittlungen auf. "Das U-Boot wäre nicht aufgetaucht, wenn es das Schiff gesehen hätte", sagte der Sprecher der US-Pazifikflotte, Bruce Cole.
Das 54 Meter lange Schulschiff hatte Japan am 10. Januar verlassen, um Thunfische, Schwertfische und Haie zu fangen, wie eine Sprecherin der Hochschule mitteilte. An Bord waren 20 Besatzungsmitglieder, zwei Lehrer und 13 Schüler. Das amerikanische U-Boot wurde laut Marineangaben nicht beschädigt. Die 108 Meter lange "Greeneville" wurde im Februar 1996 in Dienst gestellt.