Attentäter von Washington Der ewige Nazi
Washington - Fakten über Brunns Leben sind derzeit nur vereinzelt bekannt - Ermittler sind noch dabei, seine Biografie zusammenzustellen. Doch eines wird schon aus den Bruchstücken deutlich: James von Brunn ist immer wieder als Antisemit, Rassist und Holocaust-Leugner aufgefallen. Und er ist schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.
Die Schriften des Mannes, der sich selbst als Künstler, Werber und Autor bezeichnet, sprechen eine deutliche Sprache. In seinem Buch mit dem Titel "Kill the Best Gentiles" - zu Deutsch etwa "Tötet die besten Nichtjuden" - schreibt er von der Existenz einer "jüdischen Verschwörung", die es sich zum Ziel gesetzt habe, den "weißen Genpool zu zerstören". Außerdem beklagte er die "zunehmend dunkle Färbung" Amerikas.
Über das Internet verbreitete Brunn unter anderem, der Holocaust sei eine Falschmeldung. Und: "Die Zelebrierung des Holocaust zerstört die westliche Zivilisation. Der arische Genpool stirbt - und es gibt niemanden, der ihn betrauert, ihm nachweint oder ihn in Ehren hält."
Der jüdischen Anti-Defamation League zufolge unterhielt von Brunn eine Web-Seite mit Hasstiraden gegen Juden und Schwarze. Er sei aber anscheinend seit längerem nicht mehr "aktiv" gewesen, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf Behördenkreise.
Seine Web-Seite ging nach Informationen der "Grand Rapids Press" aus Michigan an einen in dem Bundesstaat lebenden Mann über, dessen Beziehung zu Brunn derzeit noch unklar ist. Die Seite sei Mittwochabend aus dem Netz genommen worden.
Verurteilung wegen versuchter Geiselnahme
Bislang ist über seinen Lebensweg wenig bekannt. Unterlagen belegen, dass Brunn 1942 in die Marine eintrat und bis 1956 dort war - offenbar wurde er entlassen. Melderegistern zufolge zog er über die Jahre mehrmals um. Unter anderem soll er von 2004 bis 2005 in Hayden im Bundesstaat Idaho gelebt haben, wo viele Jahre die rassistische Gruppierung "Aryan Nations", geführt von einem Neonazi, ihren Sitz hatte. Zuletzt soll Brunn in Annapolis im Staat Maryland gewohnt haben.
1968 kam er nach aktuellen Erkenntnissen das erste Mal mit dem Gesetz in Konflikt: Nach einer Auseinandersetzung mit einem Sheriff musste er für ein Jahr ins Gefängnis.
1981 folgte ein weiterer - wesentlich aufsehenerregender - Angriff: Brunn drang bewaffnet in die US-Zentralbank Federal Reserve ein, um Mitglieder des Vorstands als Geiseln zu nehmen. Er wurde von einem Sicherheitsbeamten überwältigt.
Obwohl in seiner Tasche eine Pistole, ein abgesägtes Gewehr und ein Messer gefunden wurden, beharrte Brunn darauf, er habe das Gremium lediglich unter "legalen gewaltfreien Arrest" stellen, also von seinem Recht auf eine Jedermann-Festnahme Gebrauch machen wollen. Laut Polizei galt als Motiv für die versuchte Geiselnahme Brunns Wut über hohe Zinssätze und die wirtschaftlichen Probleme des Landes.
"Er glaubt, die Juden kontrollieren die Zentralbank, ja, das ganze Finanzsystem, und dass alle Juden böse sind", sagte Heidi Beirich vom Southern Poverty Law Center, das die rechte Szene beobachtet. "Wir beobachten den Mann seit Jahrzehnten." Seine Internet-Seite sei von ihnen als "Hassseite" klassifiziert worden.
Auf eben dieser Seite beschrieb Brunn voller Stolz den Überfall auf die Bank, für den er 1983 verurteilt wurde. In der Folge verbüßte er eine sechsjährige Gefängnisstrafe. Er habe das einer "Neger-Geschworenenjury" und einem "Juden-Richter" zu verdanken, hieß es dazu später auf seiner Web-Seite. 1989 kam er wieder auf freien Fuß.
Familie hält ihn für geisteskrank
Sein Hang zur Aggressivität wurde auch von anderer Seite beschrieben: Vor rund zwölf Jahren hatte sich Brunn bei einer Galerie um eine eigene Ausstellung bemüht, wie zwei der Eigentümer nun berichteten. Als diese jedoch ablehnten, weil seine Werke nicht ihren Qualitätsansprüchen entsprachen, sei er extrem wütend von dannen gezogen.
Eine Cousine aus St. Louis sagte in einem Interview, sie habe James seit 50 Jahren nicht gesehen. Ihre Familie lehne ihn ab, weil sie ihn für geisteskrank halte.