Augenzeugen-Berichte: "Für mich ist der Pilot ein Held" - DER SPIEGEL
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Augenzeugen-Berichte "Für mich ist der Pilot ein Held"

Der Absturz der Concorde bei Paris hätte ein Unglück noch größeren Ausmaßes werden können. Weniger als 30 Sekunden trennten den Vorort Gonesse und seine 25.000 Einwohner von der Katastrophe. Wie ein flammender Feuerball raste die Concorde auf das Stadtzentrum und ein in der Flugbahn gelegenes Krankenhaus zu.
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Paris - Nur mit letzter Kraft drehte sie ab und stürzte auf ein Hotel, das auf dem einzigen freien Feld weit und breit stand. "Für mich ist der Pilot ein Held. Hätte er nicht abgedreht, hätte er die Stadt getroffen", meint der Lieferwagenfahrer Jean-Marie Alexandre später noch unter dem Eindruck des Gesehenen vor Journalisten. Er hatte vom Frachtbereich des Flughafens Charles de Gaulle den Todeskampf der Piloten gegen ihr Schicksal und das der Passagiere mitverfolgt.

Die Rolle der Cockpit-Besatzung bewegte am Tag nach dem Desaster die Gemüter in Gonesse. Die erfahrenen Piloten müssen gewusst haben, dass sie keine Chance mehr hatten, als ihnen der Towerlotse unmittelbar nach dem Abheben von der Piste 21 einen Triebwerkbrand meldete. Ein Startabbruch der bis zum Rand mit Kerosin betankten, 185 Tonnen schweren Maschine wäre in diesem Moment bei Tempo 360 unmöglich gewesen. Hundertfach hatten die Piloten, die das Ende ihrer fliegerischen Karriere mit dem Einsatz auf der Concorde krönten, solche Zwischenfälle im Simulator geübt. Der Co-Pilot hatte als Ausbilder für den "Jet der Superlative" damit einst sogar selber seine fliegenden Kollegen ins Schwitzen gebracht.

Ein Start mit ausgefallenem Triebwerk bedeutet für die Concorde im Prinzip keine Katastrophe. Selbst für ein Feuer im Triebwerk gibt es eine automatische Löschanlage. Doch nun kam etwas anderes, Unvorhergesehenes hinzu. Die am häufigsten geäußerte Theorie der Fachwelt, der es an Berichten entsetzter Augenzeugen wie auch Fotos nicht mangelt, rankt um eine Explosion der Triebwerk-Brennkammer; sie könnte die Treibstoff-Leitungen zerfetzt haben. Die Cockpit-Besatzung hatte keine Zeit mehr, sich darum Gedanken zu machen. In 50 bis 100 Metern Höhe quälte sie in einem verzweifelten Kampf gegen den Absturz den todgeweihten Vogel noch über eine Autobahn, auf der zu dieser Stunde der erste Feierabend-Verkehr einsetzte.

Der für extrem schnelle Geschwindigkeit in großer Höhe ausgelegte Jet hatte erkennbar Schwierigkeiten, sich in der Luft zu halten. Dann ging alles schnell: Der Jet kippte über die linke Tragfläche, berichteten Augenzeugen. Absichtlich, um die Stadt zu retten, meinen die einen, die den Piloten als Helden sehen. Zwangsläufig, weil die Strömung an den Tragflächen abriss und den Donnervogel nicht mehr in der Luft hielt, meinen andere. Wie es genau war, muss die Untersuchung ergeben, die schon kurz nach dem Absturz am Unglücksort begann.

Ralf E. Krüger

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