Augsburger Morde Türkische Polizei stellt Tatverdächtigen
Adana - Die Polizei nutzte zu seiner Festnahme einen unachtsamen Moment. Nach einem kurzen Handgemenge wurde er unter starker Polizeibewachung in ein Krankenhaus gebracht, da er bei dem Schusswechsel am Bein verletzt wurde.
Die türkische Polizei, die einem Tipp nachgegangen war, hatte den Gesuchten heute in einer Straße von Adana aufgespürt. Als dieser seine Verfolger bemerkte und die Beamten ihn zum Stehenbleiben aufforderten, habe er eine Waffe gezogen und geschossen, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Um die Polizisten von sich fern zu halten, richtete der 37-Jährige bei den anschließenden Verhandlungen die Pistole gegen seine Schläfe.
Mit den Worten: "Ich habe es nicht getan, ich bin unschuldig", widersetzte er sich eine geraume Weile seiner Festnahme. In die Versuche, ihn zur Aufgabe zu bewegen, schaltete sich auch ein in Adana lebender Bruder ein. Bei den Gesprächen mit den Polizeibeamten habe der 37-Jährige darauf bestanden, dass er nicht nach Deutschland ausgeliefert werde. Außerdem habe er ein Fernsehteam verlangt, um seine Version des Verbrechens darzulegen. Letztlich habe er davon aber wieder Abstand genommen, weil er befürchtet habe, der Kameramann könne ein Polizist sein.
"Ich habe in Deutschland zwei Skinheads getötet. Sie haben das Verbrechen begangen", rief er seine Darstellung in die Runde, die er zuvor bereits Verwandten am Telefon erzählt hatte. "Ich bin unschuldig. Anders als behauptet wird, habe ich das Geld und den Schmuck meiner Schwiegermutter nicht genommen." Nach Angaben der Ermittlungsbehörden in Deutschland wird vermutet, dass Bargeld in Höhe von 5000 bis 7000 Euro weggekommen ist. "Aber genaue Erkenntnisse über die Höhe gibt es nicht", sagte der Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft, Thomas Weith.
Mögliches Motiv: Eifersucht und Neid
Ali G. wird verdächtigt, am vergangenen Montag seine Frau und deren siebenjährige Tochter aus erster Ehe ebenso brutal erstochen zu haben wie seinen 25-jährigen Schwager, seine 53-jährige Schwiegermutter und einen 26-jährigen Tschechen, der bei der türkischen Familie zu Besuch war. Die vier türkischen Opfer wurden inzwischen in Adana beigesetzt.
Als mögliches Motiv gilt Eifersucht und Neid, die der Türke für seine in Deutschland gesellschaftlich und beruflich integrierte Frau gehegt haben könnte. Er selbst war erst nach der Heirat vor eineinhalb Jahren nach Deutschland gekommen.
Nach Angaben der Polizei in Augsburg war G. bereits Stunden vor Entdeckung der Opfer in sein Heimatland geflüchtet. Obwohl bereits 20 Minuten nach Eintreffen der Polizei eine Grenzfahndung eingeleitet wurde, kamen die Ermittler zu spät. Die Augsburger Kripo stand daraufhin in engem Kontakt zur türkischen Polizei; nach G. wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht.
Nach Ansicht von Angehörigen der Opfer hätte das Blutbad in Augsburg verhindert werden können, wenn Dobermann "Lucky" in der Mordnacht im Haus gewesen wäre. Das berichtete die türkische Zeitung "Hürriyet". "Wenn Lucky im Haus gewesen wäre, wäre es dem Mörder unmöglich gewesen, fünf Menschen umzubringen", hieß es.
Der Mörder habe sich die Abwesenheit des Hundes zu Nutze gemacht, um sein "gut geplantes" Verbrechen auszuführen. Der Hund gehörte dem im selben Haus lebenden Bruder der ermordeten Ehefrau und sei nie von seiner Seite gewichen, schrieb "Hürriyet". Ausgerechnet in der Tatnacht hatte er ihn dem Bericht zufolge im Haus seines älteren Bruders gelassen.