Aussteigerprogramm: "Peng!" hilft Agenten Geheimdienste zu verlassen - DER SPIEGEL
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Polit-Aktivisten Aussteigerprogramm für Agenten

Aussteigerprogramme gibt es für Neonazis und Islamisten. Nun bietet das Berliner Peng Collective Geheimagenten Hilfe an - mit prominenter Unterstützung aus den USA.
Screenshot von intelexit.org: "Unkontrollierbare Staaten im Staate"
Screenshot von intelexit.org: "Unkontrollierbare Staaten im Staate"

Screenshot von intelexit.org: "Unkontrollierbare Staaten im Staate"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie haben namhafte Persönlichkeiten gefunden, die ihre Aktion unterstützen: Thomas Drake zum Beispiel, einer der ersten Whistleblower der National Security Agency (NSA). Oder Bruce Schneier, einer der bekanntesten Experten und Autoren für Internetsicherheit in den USA. Beide treten in einem Imagefilm auf, der von der Firma des Filmemachers Michael Moore produziert wurde. Er wirbt für ein außergewöhnliches Aussteigerprogramm: Intelexit.org  will weltweit Mitarbeiter von Geheimdiensten dazu anregen, ihre Behörde zu verlassen, entweder still und leise oder laut und öffentlich.

Auf der Webseite nennen die Initiatoren, die Geheimdienste als "unkontrollierbare Staaten im Staate" kritisieren, sechs Gründe, warum sich ein Ausstieg lohnt und bieten sogleich ein Formular an, mit dem man sein Kündigungsschreiben automatisch erstellen lassen kann. Der Geist Edward Snowdens schwebt natürlich über dem Ganzen, sein Gesicht taucht kurz in dem Video auf.

Es ist die neueste Initiative des Berliner Peng Collective, einer Gruppe aus Künstlern und Aktivisten, deren Aktionen sich immer zwischen Satire und Ernsthaftigkeit bewegen. Das Kollektiv organisierte schon eine fingierte Pressekonferenz des Energieriesen Vattenfall in dessen Berliner Repräsentanz, wo Vattenfalls Ausstieg aus der Kohleenergie und die völlige Hinwendung zu alternativen Energien verkündet wurde.

Die Aktivsten gaben sich als Google-Mitarbeiter aus und präsentierten auf der Messe Re:publica neue Überwachungsprodukte, wofür sie von Google abgemahnt wurden.

Zuletzt rief die Gruppe in einem Internetvideo deutsche Urlauber dazu auf, bei ihrer Rückreise Flüchtlinge nach Deutschland zu schmuggeln. Und nun das Aussteigerprogramm für Geheimagenten, das ganz ernst gemeint sei, wie eine der Aktivisten SPIEGEL ONLINE versichert.

Dafür bietet die Webseite tatsächlich eine Möglichkeit zur verschlüsselten Kontaktaufnahme. Aussteigewilligen will die Initiative dann einen Rechtsbeistand organisieren sowie die kostenlose Beratung von Menschen wie Thomas Drake, der die Odyssee eines Whistleblowers selbst über Jahre durchlebt hat, bis er am Ende rehabilitiert war.

Um für ihre Aktionen zu werben, haben die Aktivisten Plakatwände gemietet. Werbetrucks sollen vor der NSA-Zentrale in Fort Meade und den Headquarters des technischen Geheimdienstes der Briten, GCHQ, platziert werden. Auch vor dem Gelände des BND verteilen die Aktivisten in diesen Tagen Broschüren an Mitarbeiter des Nachrichtendienstes. Am Mittwoch ist eine Pressekonferenz geplant, bei der auch die pakistanische Bürgerrechtsaktivistin Nighat Dad reden wird.