Überleben im Outback Die sonderbaren Abenteuer des Herrn D.
Windorah - Verschollen in der Wildnis, überlebt dank einer Insekten-Diät: Ein Deutscher hat mit einer schier unglaublichen Geschichte über ein Abenteuer im australischen Hinterland international Aufsehen erregt. Der Mann, 26, harrte nach eigenen Angaben fast drei Wochen lang im Outback aus und ernährte sich von Fliegen .
Wenn die Angaben australischer Behörden und Berichte lokaler Medien stimmen, befindet sich D. auf einer langen Reise. Laut der "Brisbane Times" will er von New South Wales zum Uluru wandern, auch als Ayers Rock bekannt. Das ist eine Strecke von rund 4000 Kilometern. Der 26-Jährige soll seit Monaten in den Bundesstaaten New South Wales und Queensland unterwegs sein und sich regelmäßig bei der Polizei gemeldet haben.
Auf seiner Strecke verschwand D. am 17. Februar auf dem Weg zwischen den Orten Windorah und Jundah in Queensland. Offenbar saß er zehn Tage auf einem kleinen Fleck Grasland fest, eingeschlossen von Flüssen. Die Fluten sollen ihn überrascht haben. Als sie weit genug zurückgegangen waren, watete er durch das Wasser und setzte seinen Weg fort.
18 Tage nach seinem Verschwinden fand ihn ein Autofahrer am Cooper Creek bei Windorah, rund 1200 Kilometer westlich von Brisbane. Der TV-Sender ABC berichtete, D. habe sich geweigert, medizinische Hilfe anzunehmen.
"Er war sicherlich hungrig, aber sonst verhältnismäßig guter Dinge", sagte Mark Henderson von der Polizei in Longreach, rund 200 Kilometer von Windorah entfernt. Offenbar sei D. auf ziemlich einzigartige Weise in der Lage, mit wenig Nahrung zu überleben. Man wünsche dem Deutschen alles Gute, "aber wir haben nicht vor, ihn zum nationalen Helden zu machen", sagte Henderson laut "Sydney Mornig Herald" .
"Er ist hier keine beliebte Person"
Das Terrain im Outback ist unwegsam, die Orientierung schwierig. In manchen Gegenden ist die nächste Straße Hunderte Kilometer entfernt. Es gibt kaum Schutz vor Sonne oder heftigen Regenfällen. Auch deshalb hatten die Behörden nach dem Verschwinden des 26-Jährigen Suchaktionen mit Hubschraubern gestartet. Farmer durchkämmten das Gelände.
Die Bauern und all die anderen Leute, die Zeit, Geld und Ressourcen für die Suche aufgewendet hätten, "waren sicherlich nicht begeistert", sagte Henderson. "Er ist hier keine beliebte Person, weil er den Rat von Farmern, denen er begegnete, ausgeschlagen hat." Laut Polizei sah der Deutsche die Hubschrauber, aber deren Besatzungen entdeckten den Gesuchten wegen des Baumbewuchses nicht.
Einer der wenigen, mit denen D. vor seinem Verschwinden gesprochen hatte, ist Andrew Plax aus dem Ort Yowah in Queensland. Er sei sich sicher gewesen, dass der Deutsche am Leben sei, sagte Plax dem TV-Sender ABC . D. habe ihm erzählt, dass er auch schon auf anderen Kontinenten große Wanderungen unternommen habe. Der Deutsche soll Diabetiker sein, laut Plax trug er einen Jahresvorrat Insulin bei sich.
Die Zeitung "Warrego Watchman" hatte am 6. Februar ein Interview mit D. veröffentlicht. "Was ich am meisten am Wandern mag, ist, wie viel näher sich die Natur anfühlt, wenn man sie so durchquert und erlebt", sagte er dem Blatt. Es gebe viele kleine Begegnungen und Abenteuer, die sich bei solch einer Reise ansammelten. Seine Art zu reisen sei "ziemlich hardcore". Aber er könne damit umgehen, schließlich sei er zwei Jahre lang obdachlos gewesen.
Was steckt hinter der Geschichte?
Manches scheint zu schön um wahr zu sein: D. berichtete in dem Gespräch laut "Brisbane Times" auch von einem Kampf mit einem aggressiven Känguru. Zunächst habe er sein Messer gezogen, aber dann weggesteckt, weil es sonst kein fairer Kampf gewesen wäre. "Ich sprang auf und verprügelte es. Das Känguru war kleiner als ich und wehrte sich fast nicht. Ich denke, es war von der Entschlossenheit meines Angriffs überrascht."
Kann so eine Anekdote stimmen? Oder ist mit dem Abenteurer die Phantasie durchgegangen? Alle Berichte beruhen auf seinen Angaben. Einige Fragen bleiben bisher offen, etwa: Hätte D. als Diabetiker sein Insulin nicht kühlen müssen?
Auch die Polizei ist sich offenbar noch nicht sicher, was von der Geschichte zu halten ist. "Wenn man es nicht mit eigenen Ohren gehört hat - und das haben meine Polizisten -, dann würde man es sicherlich nicht glauben", sagte Henderson laut ABC. Aber gewisse Umstände sind eben auch nicht von der Hand zu weisen: "Er hätte nirgendwo anders sein können. Die Geschichte lässt einen so zurück, dass man sie glauben muss."
Sein unfreiwilliger Zwischenstopp soll D. nicht davon abgehalten haben, weiter sein Ziel zu verfolgen: die Wanderung zum Uluru. Rund die Hälfte der Distanz hat er hinter sich. Auf seinem weiteren Weg will er sich an die großen Straßen halten. Die Polizei hat laut Henderson den Eindruck gewonnen, D. sei sich der Risiken seiner Reise bewusst.