Australien: Dreijährige aus dem Gefängnis entlassen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Australien Dreijährige aus dem Gefängnis entlassen

Nach drei Jahren Haft haben die australischen Behörden eine Mutter und ihr Kind aus dem Gefängnis entlassen. Doch die Freude über ihre Freilassung ist getrübt: Psychiatern zufolge leidet die kleine Naomi wegen des Lebens hinter Gittern unter einem Trauma.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sydney - Im Mai 2002 war das Kind als Tochter einer Malaysierin in der australischen Haftanstalt Villawood zur Welt gekommen. Ihre Mutter, Virginia Leong, kam einem Zeitungsbericht zufolge 1996 im Alter von 21 Jahren als Touristin nach Australien. Dort heiratete sie einen aus China stammenden australischen Staatsbürger und bekam 1998 einen Sohn von ihm. Wenig später trennte sich das Paar.

Der Zeitung "Malay Mail" zufolge wurde Leong erneut schwanger, diesmal von einem Mann aus Hongkong. Leong blieb in Sydney, obwohl ihr Visum abgelaufen war. Als sie Australien mit einem gefälschten Reisepass verlassen wollte, wurde sie festgenommen. Kurze Zeit später wurde Naomi geboren. Leong weigerte sich daraufhin, sich während der Haftstrafe von ihrem Kind zu trennen.

Nachdem die malaysische Öffentlichkeit durch Medienberichte auf den Fall aufmerksam geworden war, erteilte die australische Regierung Virginia Leong und ihrer Tochter eine befristete Aufenthaltsgenehmigung und entließ die beiden gestern in die Freiheit. "Ein Traum ist wahr geworden", sagte Leong heute, als sie mit Naomi zum ersten Mal in einem Park in Sydney spielte.

Wie hart es im Gefängnis sei, könne nur derjenige verstehen, der einmal eine Haftanstalt von innen gesehen habe. Welche Folgen das Leben in Gefangenschaft für die kleine Naomi hat, ist noch nicht absehbar. "Sie hat sehr gelitten und zweifellos psychische Probleme entwickelt", sagte die Psychiaterin Louise Newman.

Die australische Opposition warf der Regierung vor, Naomi und ihre Mutter nur auf öffentlichen Druck hin aus der Haft entlassen zu haben. "Es sieht verdächtig danach aus, dass die malaysischen Medien in diesem speziellen Fall die Regierung dazu gebracht haben, das Richtige zu tun", sagte der Vorsitzende der Arbeitspartei Kim Beazley. "Kinder gehören nicht ins Gefängnis."