Australien: Mit Aborigines auf Krokodiljagd - DER SPIEGEL
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Arnhemland: Auf Krokodiljagd mit Aborigines

Foto: DAVID GRAY/ REUTERS

Fotojournalist in Australien Mit Aborigines auf Krokodiljagd

Der Fotojournalist David Gray hatte die seltene Gelegenheit, mit australischen Ureinwohnern im äußersten Norden des Kontinents auf Krokodiljagd zu gehen. Entstanden sind beeindruckende Aufnahmen einer archaischen Welt.
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Arnhemland - Am Anfang hatte David Gray Probleme, im schlammigen Wasser des Flusses irgendwo im äußersten Norden Australiens überhaupt irgendetwas zu erkennen. Dann ertönte plötzlich der Ruf "Krokodile!".

Der Fotojournalist wurde Zeuge, wie ein Aborigine seelenruhig im Wasser stand, auf die trübe Oberfläche starrte - und dann mit einem einzigen Schuss ein Krokodil erlegte. "Ich bin definitiv nicht mehr in Sydney", dachte Gray angesichts der archaischen Szene.

Zugetragen hat sich die ungewöhnliche Jagd in Arnhemland, einem Siedlungsgebiet von Aborigines im australischen Northern Territory. Auf einer Fläche von 97.000 Quadratkilometern leben hier 20.000 Menschen, ausschließlich Ureinwohner, denen das Land gehört. Wer sie besuchen will, braucht eine Einladung und muss diese oft ein Jahr im Voraus beantragen.

Gray bekam seine Einladung von einem Aborigine, der in der North-West Mobile Force (NORFORCE) dient, einem Infanterie-Regiment der australischen Armee. Sergeant Norman Daymirringu gehört zum Stamm der Yolngu. Er gab dem Fotografen die Chance, in der Nähe des Ortes Ramingining, viele hundert Kilometer östlich von Darwin, auf Jagd zu gehen.

Ein Traum ging in Erfüllung

Für Gray, der seit Langem das Alltagsleben der Ureinwohner kennenlernen und fotografieren wollte, ging ein Traum in Erfüllung. Als Weißer in die Welt der Ureinwohner einzutauchen, bedeute, dass man einen Gang runterschalten müsse und die Welt mit ganz anderen Augen sehe, so Gray.

Zusammen mit dem Schützen Roy, dessen Vater Marcus und einigen Nachbarn aus der winzigen Gemeinde Yathalamarra war Gray bei 40 Grad Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit losgezogen. Marcus fing ein Baby-Krokodil, das er allerdings nicht tötete. Das große Krokodil wurde noch vor Ort gehäutet und dann nach Hause getragen.

Als Anfang der Siebziger ein Jagdverbot für Krokodile erlassen wurde, waren sie in Australien fast ausgerottet. Die Population stieg danach wieder an, so dass die Behörden Jagdquoten für die Ureinwohner einführten. Es gibt Stämme, die die Reptilien jagen, um sie zu essen, andere benutzen sie als Totem. Aborigines kennen sich in der Regel sehr gut aus mit den Tieren und lernen früh, sich durch Achtsamkeit vor Angriffen zu schützen.

Die australischen Aborigines besiedelten den Kontinent vor etwa 40.000 bis 60.000 Jahren. Früher gab es etwa 400 bis 700 Stämme, die als Jäger und Sammler lebten. Die Ankunft der europäischen Siedler im 18. Jahrhundert brachte den Ureinwohnern die totale Entrechtung. Es kam zu schrecklichen Massakern, und auch heute noch leben viele Aborigines in bitterer Armut.

ala/Reuters