Verherrlichung von Zigaretten Australisches Opernensemble verbannt "Carmen" aus Programm
Schlecht für die Stimme, gut für die Authentizität: Proben zu "Carmen" im Sydney Opera House mit Zigarette
Foto: WILLIAM WEST/ AFPCanberra - "Carmen" ist eine der bekanntesten, erfolgreichsten Opern der Welt. In Deutschland ist das Stück derzeit unter anderem in der Dresdner Semperoper zu sehen. Vielleicht sitzen im Publikum bald vermehrt Australier - denn auf den Bühnen des Kontinents wird die Geschichte um Leidenschaft, Liebe und Verrat bald kaum noch zu sehen sein.
Eines der größten Opernensembles des Landes, die West Australien Opera, hat "Carmen" aus ihrem Repertoire verbannt. Der Grund: Die 140 Jahre alte französische Oper glorifiziere das Rauchen.
Die Truppe hat demnach einen Deal mit einer staatlichen Agentur, die Gesundheit fördert. Umgerechnet 278.000 Euro bekommen die Sänger für den Verzicht auf "Carmen" gezahlt. Der Agentur zufolge sei das Ensemble auf sie zugekommen - nicht andersherum.
Die Nachricht löste in Australien eine Debatte aus. Viele ärgern sich über einen Staat, der seine Bürger zu sehr bemuttert. Sogar Premierminister Tony Abbott schaltete sich in die Diskussion ein. Diese Absprache sei "politische Korrektheit in ihrer irrsinnigsten Form", sagte er dem Melbourne Radio 3AW. Die Oper sei immer auch eine Übertreibung. Wenn man nun damit anfange, an allem Anstoß zu nehmen, dann könne man gleich "jede Oper verbieten".
Eine Sprecherin der West Australien Opera verteidigte das Vorgehen. Die Entscheidung sei einfach gewesen. "Wir kümmern uns um die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter", sagte sie der "The West Australian". Das bedeute auch, dass sie bestimmte Gesundheitsbilder unterstützten.