Auswärtiges Amt "Situation Besorgnis erregend"
Berlin - Angesichts des ungewissen Schicksals der von Moslem-Rebellen entführten Geiseln auf den Philippinen setzt die Bundesregierung Hoffnungen auf den Besuch einer philippinischen Ärztin. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte am Mittwoch in Berlin, der für denselben Tag geplante Besuch der Ärztin solle gesicherte Informationen über den Zustand und Aufenthaltsort der Geiseln bringen. Die Situation sei weiterhin "sehr unübersichtlich und Besorgnis erregend". Der Krisenstab des Ministeriums, der Asienbeauftragte Cornelius Sommer und ein Vertreter vor Ort bemühten sich weiterhin auf allen Kanälen um verlässliche Informationen. Das Auswärtige Amt hat den Angaben zufolge auch weiterhin keine gesicherte Kenntnis über das Schicksal der 21 von radikalen Moslems verschleppten Geiseln. Berichte, wonach zwei der Geiseln in der Nacht zum Mittwoch bei einem Schusswechsel zwischen Geiselnehmern und philippinischer Armee ums Leben kamen, wurden bislang nicht bestätigt.
Die Bundesregierung sprach nach Angaben der Sprecherin mit der philippinischen Regierung über die Berufung eines neuen, internationalen Vermittlers im Geiseldrama. Das Thema sei auch mit den Regierungen Frankreichs und Finnlands besprochen worden. Unter den 21 Entführten sind auch je zwei Franzosen und Finnen. Die Sprecherin wollte die deutsche Initiative jedoch nicht als gemeinsamen Vorstoß der drei Staaten werten. Bislang vermittelt in dem Konflikt der frühere Moslem-Rebell und heutige Regierungschef einer halbautonomen Moslem-Region, Nur Misuari.
Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) drängte seinen philippinischen Amtskollegen Domingo Siazon in einem Gespräch dazu, den Militärring um das Versteck der Entführer etwas zurückzuziehen, um die Lage zu entspannen. Nach Misuaris Angaben haben die Geiselnehmer ihre Opfer, darunter drei Deutsche, inzwischen jedoch an einen anderen Ort verlegt. Die Urlauber und Hotelangestellten waren am Ostersonntag von Mitgliedern der Moslem-Gruppe Abu Sayyaf von der malaysischen Insel Sipadan nach Jolo in der südphilippinischen Sulu-See verschleppt worden.