Autobahn-Katastrophe: Experten uneins über Unfallursache - DER SPIEGEL
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Autobahn-Katastrophe Experten uneins über Unfallursache

Bisher gibt es noch keine Klarheit darüber, wie es zu dem schrecklichen Busunglück kommen konnte, das am Samstagmorgen elf junge Menschen das Leben kostete. Einige Experten vermuten, dass die Ursache nicht beim Fahrer sondern in der Beschaffenheit der Autobahn zu suchen ist.
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Hamburg - Der Unfallverlauf lasse nicht zwingend auf einen Sekundenschlaf des Fahrers oder überhöhte Geschwindigkeit schließen, sagte Johannes Hübner vom Automobilclub von Deutschland (AvD) der Nachrichtenagentur ddp. Der Experte, der sich persönlich am Unfallort ein Bild machte, vermutet, dass auch die Fahrbahnbeschaffenheit zu dem Unfall beigetragen hat.

Der Bus habe in einer leichten Rechtsbiegung mit der vorderen Ecke einen Betonabweiser verschoben und sei anschließend mit dem linken Vorderrad so heftig gegen die Betonmarkierung gefahren, dass dieses abriss, sagte der Experte. Anschließend habe das Fahrzeug bei einem erneuten Aufprall mit dem Abweiser auch noch das linke Hinterrad samt Antriebswelle verloren. Der heftige Zusammenstoß habe die beiden fast vollen Tanks aufgerissen und möglicherweise die Zentralelektrik auf den Boden des Busses gedrückt. Der dabei entstehende Kurzschluss könnte nach Einschätzung des Experten zu dem schweren Brand geführt haben.

Ein derartiger Schaden sei bereits bei einem Aufprall mit weniger als 50 Stundenkilometern möglich, sagte der AvD-Mitarbeiter. Ein eingenickter Fahrer hätte zudem von den an der Unfallstelle eingelassenen Straßenschwellen geweckt werden müssen. Auch eine Ablenkung oder ein längerer Blick in den rechten Spiegel könnten dazu geführt haben, dass der Bus von der Fahrbahn abkam. Zu prüfen sei jetzt, ob eine fest verbundene Abweiserreihe oder eine Leitplanke die schweren Schäden am Fahrzeug hätten verhindern können.

Die vorweihnachtliche Busfahrt des Reiseveranstalters Rainbow Tours von München nach Paris endete in einem Flammen-Inferno. Elf Menschen verbrannten, als der Reisebus am belgisch-französischen Grenzübergang gegen eine Betonbegrenzung in der Mitte der Autobahn E 19 prallte und in Flammen aufging. Dank geistesgegenwärtigen Eingreifens des zweiten Fahrers konnten sich 36 Reisende und er selbst retten.

Der Bus des bayerischen Unternehmens Polster-Reisen aus Gößweinstein in Oberfranken war am Freitag um 16.45 Uhr gestartet. Die Reise sollte über Augsburg, Ulm, Stuttgart, Frankfurt/Main und Köln nach Paris führen. Am Samstagmorgen um 5.20 Uhr prallte der Bus beim belgischen Ort Hensies gegen die Begrenzung. Das Fahrzeug schleifte an den aufgestellten Betonteilen entlang und fing Feuer. Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus, Augenzeugen sprachen von einem "Feuerball".

Pathologen haben die Leiche des Busfahrers bereits obduziert, Ergebnisse wurden bisher jedoch nicht bekannt gegeben. Die Ermittler vermuten, der als erfahren geltende Mann sei übermüdet oder krank gewesen. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe, der am Samstagnachmittag an den Unfallort gefahren war, vermutete ebenfalls menschliches Versagen als Unfallursache.

Für technische Mängel gibt es derzeit keine Anhaltspunkte. Der Bus, ein Cityliner der Marke Neoplan war erst eineinhalb Jahre alt entsprach dem neuesten technischen Standard. Das Reiseunternehmen Polster, bei dem Rainbow Tours den Bus gechartert hatte, verwies außerdem darauf, dass es sich bei den beiden Buslenkern um sehr erfahrene und zuverlässige Männer gehandelt habe.

Die Staatsanwaltschaft in Mons muss jetzt die Ursache des Unfalls aufklären - eine schwierige Aufgabe, denn es gibt kaum Zeugen. Die Passagiere haben geschlafen, und die Autobahn E 19 in Richtung Paris war an diesem trüben und feuchten Wintermorgen fast leer. Ein Lastwagenfahrer sagt, der Bus habe ihn einige Minuten vor dem Unfall mit hoher Geschwindigkeit überholt und sei dann schlingernd gefahren, als ob der Fahrer mit dem Schlaf kämpfe.

Nach dem Unfall lag das linke Hinterrad des Busses auf der anderen Seite der Betonbegrenzung, an der der Bus entlang geschleift war. War es defekt und hatte das Schlingern ausgelöst? Oder hatte der Fahrer die leichte Kurve zu schnell genommen? Oder ist er wirklich eingenickt? "Wir wissen nur eines sicher: Der Aufprall war ultraheftig", sagt Staatsanwalt Claude Michaux.