Autobahnraser-Prozess: "Habe die Schnauze voll" - DER SPIEGEL
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Autobahnraser-Prozess "Habe die Schnauze voll"

Der so genannte Autobahnraser-Prozess scheint nicht nur an den Nerven des Angeklagten zu nagen. Der Vorsitzenden Richterin entfuhr heute der Kommentar, sie habe es satt, den Zeugen "Würmer aus der Nase" zu ziehen.
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Karlsruhe - Am dritten Verhandlungstag sagte Richterin Brigitte Hecking nach der mühsamen Befragung eines als Zeugen geladenen Arbeitskollegen des Angeklagten Rolf F.: "Nahezu alle Kollegen haben so wie Sie bislang den Eindruck hinterlassen, das man sich an nichts mehr erinnern kann". Einem weiteren Zeugen sagte sie, sie habe "die Schnauze voll", den Zeugen "Würmer aus der Nase" ziehen zu müssen.

"Turbo-Rolf", so lautet der Spitzname des Angeklagten, soll auf der A 5 durch Drängeln einen tragischen Unfall verursacht haben, bei dem am 14. Juli eine 21-jährige Frau und ihr zweijähriges Kind starben. Nach den Ermittlungen wich die Fahrerin, die mit ihrem Kleinwagen auf der Überholspur unterwegs war, abrupt nach rechts aus, lenkte wieder nach links, kam ins Schleudern und prallte gegen einen Baum am rechten Fahrbahnrand. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war die mit hohem Tempo heran rasende Limousine von Rolf F. der Auslöser für den Unfall.

F. werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht vorgeworfen. Doch der Angeklagte leugnet eine Schuld an dem Unfall: Er behauptet, zur Zeit des Unglücks nicht an der Stelle gewesen zu sein. Auf seiner Dienstfahrt von Sindelfingen nach Papenburg habe er den Unfallort erst nach dem Unglück passiert.

Dass Rolf F. gern schnell unterwegs war, sagte heute ein weiterer Zeuge aus. Der 35 Jährige, der als "Intimfeind" des Angeklagten gilt, sagte, F. habe mehrfach damit geprahlt, auf der Autobahn Tempo 300 gefahren zu sein. Er selbst habe Kollegen stets davor gewarnt, beim Angeklagten mitzufahren.

Ein Vertreter der Nebenklage hatte vorgestern, am zweiten Verhandlungstag, den Verdacht geäußert, dass sich die Arbeitskollegen des angeklagten DaimlerChrysler-Testfahrers vor dem Prozess abgesprochen hätten.

Die Plädoyers sind für Montag geplant. Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden.