Baby Sarah: Polizei übte Druck auf Entführer aus - DER SPIEGEL
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Baby Sarah Polizei übte Druck auf Entführer aus

Vor allem ihrem taktischen Geschick, so die Polizei, sei es zu verdanken, dass die sechs Monate alte Sarah nach fünf Tagen wieder auftauchte. Am Freitag nahmen die Ermittler dann auch gleich noch zwei Verdächtige, den Vater und den Onkel des Kindes, fest.
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Mainz - Mit der am Donnerstag verbreiteten Meldung, man ermittele im familiären Bereich, hat die Polizei die mutmaßlichen Entführer in die Enge treiben wollen. "Der Druck hatte den gewünschten Erfolg", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach am Freitag.

Bevor Sarah am Donnerstagnachmittag plötzlich wieder da war, hatte Puderbach verkündet: "Wir haben den Eindruck, dass die Beteiligten mehr wissen, als man uns sagt." Die Meldung ging durch alle Medien. Ein paar Stunden später saß Sarah in ihrem Kindersitz unter dem Eingangsdach eines Mehrfamilienhauses im westpfälzischen Dellfeld.

Der Verdacht gegen die Angehörigen hat sich erhärtet: Vater und Onkel des sechs Monate alten Mädchens wurden vorläufig festgenommen, als sie zur Identifizierung des Kindes ins Polizeipräsidium kamen. Der Leiter der 80-köpfigen Sonderkommission, Alois Ochs, sagte, Ungereimtheiten bei der Vernehmung hätten die Polizei zu der Überzeugung gebracht, "dass beide in den Entführungsfall involviert sind".

Die näheren Umstände müssen aber noch geprüft werden. Der 24 Jahre alte, aus Syrien stammende Vater und sein zehn Jahre älterer Bruder haben die Tat bisher nicht zugegeben. Am Samstag wollen die Ermittler entscheiden, ob die Erkenntnisse ausreichen, sie dem Haftrichter vorzuführen.

Als Sarah gefunden wurde, trug sie noch den selben Strampelanzug, in dem sie letzten Samstag entführt worden war. Es geht ihr gut. Nach einer ersten ärztlichen Untersuchung und Spurensicherung an der Kleidung wurde Sarah den Eltern gezeigt, die sie sofort als ihr Kind identifizierten. "Die Mutter war sehr euphorisch", berichtete Ochs.

Auf ihren Wunsch hin wurde das Kind dann in der Nacht erneut untersucht, dabei wurde ein leichter grippaler Infekt festgestellt. Die Mutter Karima K. wollte in dieser angespannten emotionalen Situation mit ihrem Baby allein sein. Die beiden wurden an einen geheimen Ort gebracht.

Puderbach bezweifelte am Freitag die Version des Verschwindens, die die Eltern gegeben haben. Demnach war das Baby aus ihrem abgestellten Auto auf einem Supermarkt-Parkplatz in Mainz entführt worden. Genauso gut könne es sein, dass die kleine Sarah zum Einkauf überhaupt nicht mitgenommen wurde. Es könne auch noch nicht gesagt werden, dass die Mutter ahnungslos war. Möglicherweise habe sie etwas gewusst, aber aus Sorge um das Wohl des Kindes geschwiegen.

Schon vor dem Auffinden des Kindes hatte eine Spur in die Westpfalz geführt. Zudem hat die Frau des vorläufig festgenommenen Onkels einen Nebenwohnsitz in Zweibrücken, unweit von Dellfeld. Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die in Dellfeld Auffälliges beobachtet haben. Doch noch ist der Tathergang so unklar, dass die Polizei auch auf dem Parkplatz in Mainz wieder Handzettel austeilen will.