Bachelors Geheimnis Wirrwarr um Marcels Vorleben
Hamburg - Ach, es hätte so schön sein können: Ein reicher, junger Mann mit strahlend weißen Zähnen und dem Charme eines Märchenprinzen wählt eine mittellose junge Frau zu seiner Partnerin, ein Aschenputtel. An dieser Stelle muss man ein wenig improvisieren, schließlich gibt es im modernen Arbeitsleben nur noch wenige Dienstmägde, die den Taubenschlag oder die Feuerstelle reinigen müssen. Die Auserwählte sollte also sehr arm, am besten auch schmutzig sein: eine Schornsteinfegerin vielleicht, besser noch eine arbeitslose Schornsteinfegerin.
Nun soll zu dem von Pech verfolgten Mädchen das Glück zurückkehren: Der Prinz, nennen wir ihn Marcel, hat natürlich ein gutes Einkommen, hat nicht etwa irgendeiner der 24 anderen Frauen, die um ihn buhlten, als Liebessymbol eine rote Rose überreicht, sondern ihr, der schönen Juliane. "Ich habe mich in dich verliebt", sagt er. "Ich bin total glücklich", sagt sie. Das war am 30. Dezember, zumindest haben die Zuschauer es so gesehen, denn an diesem Termin wurde das Finale der Kuppelshow "Bachelor", die von der Firma Brainpool für RTL produziert wurde, ausgestrahlt.
Inzwischen ist der Traum vom Happy End der TV-Liebe leider ausgeträumt. Auch offiziell. Der Fernsehsender teilte heute mit: "So schnell die Liebe zwischen dem Traumpaar, dem Bachelor Marcel und der schönen Schornsteinfegerin Juliane, entbrannte, so schnell ist sie auch wieder erkaltet." Das ist zwar traurig - aber nicht wirklich erstaunlich.
Gerüchte besagen, dass die Sendung ein einziger Schwindel gewesen sei: Einige Kandidatinnen sollen in Wahrheit Schauspielerinnen gewesen sein, und der Junggeselle soll gar kein Vermögen haben. Wie SPIEGEL ONLINE aus mit der Sendung vertrauten Kreisen erfuhr, ist der Bachelor nicht einmal Single, sondern in festen Händen. Per Vertrag soll er sich jedoch verpflicht haben, seine wahre Liebe für eine gewisse Zeit nicht zu treffen. Es wäre ja auch nicht besonders glaubwürdig gewesen, wenn der Knabe knutschend mit einer anderen als der schönen Schornsteinfegerin gesichtet worden wäre.
Am Abend dementierte RTL-Sprecher Christoph Körfer: "Dieser Vertrag existiert nicht. Marcel war vor Drehstart Single, während der Produktionszeit Single, am Ende war er mit Juliane zusammen." Alle Frauen hätten Aufwandsentschädigungen erhalten, um ihre laufenden Kosten bezahlen zu können. Bei der Produktionsfirma Brainpool war für eine Stellungnahme niemand zu erreichen.
Auf der RTL-Internetseite zu der Sendung wird die Juliane zitiert: "Er bedeutet mir als Mensch sehr viel, aber nur auf freundschaftliche Art." Sie hätten sich wohl beide gewünscht, "für immer die Zukunft", "für immer die Träume" zu teilen: "Heute aber sitzt Juliane, die Erwählte, daheim in Berlin auf ihrem Sofa - allein. Marcel, der Bachelor, ist immer noch in Basel und immer noch Junggeselle."
"Wirklich viel geweint" habe Juliane, schließlich aber eingesehen, dass Marcel "wahrscheinlich nicht der Deckel zu meinem Topf und umgekehrt" sei. "Das Knistern, die ganz großen Gefühle sind weg. Wahrscheinlich für immer", heißt es in dem Bericht. Der Braut bleibt da wohl nur der Weg zurück an die Feuerstelle.