Bad Reichenhall Baumängel führten zum Hallen-Einsturz
Traunstein - Die Staatsanwaltschaft verdächtigt die Beschuldigten - darunter vier ehemalige Mitarbeiter der Stadt Bad Reichenhall - der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung. Bei dem Unglück am 2. Januar dieses Jahres waren 15 Menschen ums Leben gekommen, 34 weitere Personen wurden schwer verletzt.
Gutachten zu der unter einer dicken Schneedecke eingestürzten Halle hätten gezeigt, dass Fehler bei der statischen Berechnung und der Konstruktion sowie später bei der Instandhaltung des Gebäudes zu dem Einsturz führten. Die Schneelast war demnach nicht der Auslöser.
Neun Staatsanwälte und 23 Kriminalbeamte durchsuchten noch heute die Wohn- und Geschäftsräume der Beschuldigten. Bei diesen handelt es sich neben den vier Mitarbeitern der Stadt um zwei frühere Beschäftigte von Firmen, die das Dach der Halle konstruiert hatten, sowie zwei Architekten und Bauingenieure, die am Bau der Halle beteiligt waren. Weitere Mitverantwortliche des Unglücks seien bereits verstorben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Insgesamt seien im Laufe der Ermittlungen rund 140 Zeugen vernommen worden.
Die Ermittlungsbehörde begründete ihr Verfahren vor allem mit den Ergebnissen der Gutachter der TU München und des TÜV Süd, die beide im Wesentlichen zu den gleichen Ergebnissen gekommen seien. Demnach ist der Einsturz nicht auf eine Einzelursache, sondern auf die Verkettung mehrerer Mängel und Schäden zurückzuführen.
So sei beim Bau 1971/72 gegen "wesentliche Regelungen" verstoßen worden. Die statische Berechnung des Daches sei entgegen der Vorschriften nicht überprüft worden. Diese sei aber fehlerhaft gewesen. Darüber hinaus stellten die Gutachten fest, dass für das Dachtragwerk Harnstoffharzklebstoffe verwendet wurden. Der Klebstoff sei allerdings nur in einem trockenen Umgebungsklima zulässig. Dies stelle eine "wesentliche Ursache" für den Einsturz der Halle dar. Die Gutachter räumten jedoch ein, dass derartige Erkenntnisse im Baujahr 1972 noch nicht vorhanden waren.
Auch die Konstruktion der Hauptträger sei mangelhaft gewesen. Und letztlich sei bei der Instandhaltung des Gebäudes nichts gegen die immer wieder auftretenden Wassereinbrüche unternommen worden. Mit dem Abschluss der Ermittlungen ist erst in mehreren Monaten zu rechnen.
str/AFP/ddp