Bad Reichenhall Bergungsarbeiten unterbrochen
Bad Reichenhall - Wie der Traunsteiner Polizeichef Hubertus Andrä sagte, soll geprüft werden, ob wegen der statischen Probleme der Außenmauern Gefahr für die Rettungskräfte bestehe. Ein Feuerwehrsprecher hatte zuvor erklärt, es bestehe Einsturzgefahr für eine Außenwand des Gebäudes. Die Wand habe sich deutlich geneigt. Wie lange die Bergung unterbrochen wird, konnte der Polizeichef zunächst nicht sagen.
Inzwischen ist die Zahl der Opfer auf elf gestiegen. Am Mittag waren unter den Trümmern zwei weitere Tote entdeckt worden. Angaben über das Geschlecht der Opfer wurden nicht gemacht. Damit werden nach Angaben der Polizei noch vier Personen vermisst. Für sie gebe es nach Einschätzung der Hundeführer noch "sehr viel Hoffnung", sagte Kreisbrandrat Rudi Zeif. Allerdings sinke diese Hoffnung von Stunde zu Stunde. Die Ursache des Einsturzes war weiter unklar.
Bei den bereits geborgenen und identifizierten Toten handelt es sich nach Angaben von Polizeieinsatzleiter Hubertus Andrä um eine Frau, einen männlichen Jugendlichen und eine weibliche Jugendliche, zwei Jungen und vier Mädchen im Alter zwischen neun und zwölf Jahren. Alle stammten aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. 18 Menschen wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht, drei davon mit schweren Verletzungen. 16 Menschen konnten äußerlich unversehrt von Helfern versorgt werden.
Am Morgen waren Zeif zufolge noch 500 Rettungskräfte im Einsatz. Die Bergungsarbeiten würden unvermindert fortgesetzt, gestalteten sich jedoch weiter schwierig, nicht zuletzt wegen heftigen Schneefalls, erklärte das Landratsamt. Gut die Hälfte der Hallenfläche war zum Teil mit den Händen durchsucht worden. Es bestehe weiter die Möglichkeit, dass in Hohlräumen noch Überlebende gefunden würden, sagte Zeif. Klopfgeräusche seien nicht gehört worden. Er dementierte damit Angaben eines Polizeisprechers. Am späten Abend war gestern noch ein sechsjähriges Mädchen mit leichter Unterkühlung, aber weitgehend unverletzt geborgen worden.
Merkel hofft auf weitere Überlebende
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen der Opfer des Unglücks von Bad Reichenhall ihr Beileid ausgesprochen. Das "grausame Schicksal", das insbesondere Kinder und junge Menschen erlitten hätten, bewege sie in ganz besonderer Weise, sagte die Kanzlerin heute in Berlin. "Wir hoffen seit dem gestrigen Nachmittag gemeinsam, dass es den Rettungskräften noch gelingen kann, Lebende aus den Trümmern der Eissporthalle zu bergen", so Merkel. Die Bundesregierung habe der bayerischen Landesregierung "jede denkbare und gewünschte Hilfe" angeboten.
Einsturz "derzeit nicht erklärbar"
Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei haben inzwischen die Ermittlungen aufgenommen. Andrä verwies darauf, dass bei Todesfällen zwangsläufig wegen fahrlässiger Tötung ermittelt werde. Es gebe aber bislang keine konkret Verdächtigen.
Der Berchtesgadener Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier sagte, der Einsturz sei "derzeit nicht erklärbar". Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung wegen zu späten Handelns wies er zurück. Die Schneehöhe auf dem Dach sei noch am Vormittag vor der Katastrophe vom Hallenwart ordnungsgemäß gemessen worden. "Wir lagen noch deutlich unter dem Grenzwert." Es habe daher keine Notwendigkeit bestanden, die Halle zu räumen. Der Hallenwart habe die Ergebnisse anschließend wie vorgeschrieben dem Bauamt mitgeteilt. Wie viel Schnee sich auf der Halle türmte und wie hoch der Grenzwert angesetzt ist, sagte Heitmeier nicht.
Statiker sahen keine Probleme
Ein für 16.30 Uhr angesetztes Eishockeytraining sei vorsorglich abgesagt worden. Heitmeier wies auch Vorwürfe zurück, das Gebäude aus den siebziger Jahren sei sanierungsbedürftig gewesen. Bei einer früher schon einmal erwogenen Sanierung der Halle hätten Statiker und andere Fachleute keine Probleme mit der Hallendecke gesehen, sagte der Oberbürgermeister. Ein vom Stadtrat im Sommer beratenes Sanierungskonzept habe sich ausschließlich auf die technische Ausstattung bezogen und nicht auf die Bausubstanz.
Michael Butschek vom Wetterdienst in Salzburg erklärte, der feuchte Schnee sei mit einem Gewicht von 300 Kilo pro Kubikmeter extrem schwer gewesen. Insgesamt hätten zum Zeitpunkt des Einsturzes mindestens 180 Tonnen Schnee auf dem Dach gelegen. Die Katastrophe hatte sich offenbar durch lautes Krachen und Knarzen im Dach angekündigt. Wenige Sekunden vor dem Unglück war der Hallenwart dabei, noch die letzten Besucher vom Eis zu schicken, als das Dach einknickte. Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich laut Polizei schätzungsweise 50 Menschen in der Halle.
"Wir lassen die Leute nicht alleine"
Der CSU-Politiker Peter Ramsauer warnte vor übereilten Schuldzuweisungen. Spekulationen, es sei nicht rechtzeitig gewarnt worden, seien inzwischen widerlegt, sagte der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag im Deutschlandradio Kultur. Ramsauer besuchte am Vormittag zusammen mit Ministerpräsident Edmund Stoiber und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos den Unglücksort in seinem Wahlkreis Traunstein.
Stoiber zeigte sich tiefschockiert vom Ausmaß des Unglücks. Er sagte den Betroffenen die Unterstützung der Landesregierung zu. "Wir wollen die Leute nicht alleine lassen mit ihrem Schicksalsschlag", sagte Stoiber. Das ganze Land sei erschüttert, zu Beginn des Jahres ein so tragisches Unglück zu erleben. Er sei tief betroffen angesichts des "unglaublichen Leids, das über viele Familien gekommen ist".