Bärenschicksal in Kanada Der Hunger trieb ihn rein
Ottawa - Der Grizzly sitzt nun unversehrt wieder in seiner gewohnten Unterkunft im Kicking Horse Mountain Resort, regelmäßige Mahlzeiten inklusive. Vor vier Wochen war der viereinhalbjährige Boo aus seinem Gehege ausgebrochen, nachdem der Duft eines Weibchens ihn betört hatte. Dabei zeigte der Bär erstaunliches Geschick: Er schlug eine Metalltür ein, buddelte einen Tunnel unter dem elektrischen Zaun hindurch und kletterte über eine drei Meter hohe Mauer.
Die kanadische Öffentlichkeit hatte wochenlang intensiv Anteil am Schicksal des umherirrenden Bären genommen. Er war erst kurz vor seinem erneuten Ausbruch von einem ersten Ausflug in die Freiheit wieder eingefangen worden. Viele fürchteten, er könne in der Wildnis nicht allein überleben, weil er nach dem Tod seiner Mutter vor vier Jahren stets von Menschen gepflegt und gefüttert worden war. Einige forderten Freiheit für das Tier, andere wiederum fürchteten um die Sicherheit der Bewohner der Region. Der Umweltminister von British Columbia schlug als Kompromiss vor, Boo mit einem an einem Halsband befestigten Peilsender in die Freiheit zu entlassen.
Das jähe Ende der Flucht macht nun weitere Überlegungen überflüssig. Boo zu fangen war schließlich einfacher, als man meinen könnte: "Wir haben das Tor aufgemacht, Essen hingestellt, und er ist hereingekommen", sagte ein Sprecher des Tierparks gestern. Nun erwägen die Betreiber des Parks, den Grizzly kastrieren zu lassen und so weitere Liebesausflüge zu verhindern. Ob der Ausflug darüber hinaus Folgen hat, wollen die Bärenfreunde abwarten. "Boo wurde mit mehreren Weibchen gesehen, aber wir wissen nicht, ob es bald kleine Boos geben wird", sagte der Sprecher.
ffr/AFP