Bagdad: Nur im Käfig des Löwen ist es sicher - DER SPIEGEL
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Bagdad Nur im Käfig des Löwen ist es sicher

Nach den Bombenangriffen kamen die Plünderer. Selbst vor dem Zoo von Bagdad machten die Diebe nicht Halt: Die meisten Tiere sind verschwunden, nur an die Käfige der Großkatzen traute sich keiner.
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Khalid, der Löwe im Zoo der Millionenstadt Bagdad, hat Hunger. Abgemagert ist auch die Löwin Schehad, kein Wunder: Die Großkatzen haben seit zehn Tagen nichts mehr zu fressen bekommen, sagt Tierpfleger Haschim Mohammed Hussein beunruhigt. Dafür fehle das Geld.

Und es fehlt noch mehr im Zoo von Bagdad, nämlich viele der Insassen. Nachdem die US-Truppen die Stadt übernommen haben, zogen Horden von Plündern durch die Straßen. Sie machten auch vor den Toren des Parks nicht halt. 300 Tiere sind seither spurlos verschwunden: Bären, Schimpansen, Hunde, Pferde, Kakadus, Kamele. Die Gehege sind leer. Alles, was nicht niet- und nagelfest war und nur irgendeinen Wert hatte, wurde weggeschafft.

Wohin die Tiere gebracht wurden, ist nicht bekannt. Genauso wenig weiß man, ob sie überhaupt noch am Leben sind. Möglicherweise haben die Plünderer auch nur die Gehege geöffnet. Einige Tiere trotten in der näheren Umgebung durch die Straßen: Das Kamel Josephin wurde von US-Soldaten gefunden und zurückgeleitet. Von den anderen Zoobewohnern fehlt jede Spur.

Nur an die Käfige der Großkatzen haben sich die Diebe offensichtlich nicht gewagt. Auch auf dem Gelände, auf dem die zerbombte Luxusvilla des Saddam-Sohns Udai steht, entdeckten die Soldaten ausgehungerte Löwen und Tiger. Der Filius des Despoten hatte sich dort einen Privatzoo angelegt. Mandor, der 20 Jahre alte Tiger aus dem Privatbesitz des Diktatorsohnes, hebt nur kurz den Kopf. Dann muss er erkennen, dass es wieder kein Fressen geben wird.

Es ist nicht nur das Leid der hungernden Tiere, das Zoowärter Hussein nervös macht. Er hat auch Angst um seine eigene Sicherheit. Dass die Tiere seit Tagen nichts zu fressen bekommen haben, macht sie nicht gerade zahmer.

Sieben Löwen und zwei Tiger muss der Tierpfleger versorgen, jede der Katzen mit einem Appetit auf gut fünf Kilogramm Fleisch täglich. Das würde rund 30 Dollar kosten, pro Tier. Woher er die aufbringen soll, weiß Hussein nicht.

Am Freitag wurde bekannt, dass Kuweit sieben Tonnen Futter für die Zootiere nach Bagdad schickte. Das sei Futter für zwei bis vier Wochen.