Bahnunfall bei Bad Münder Weiterfahrt trotz Bremsproblemen
Bad Münder - Der Lokführer habe an einem Haltesignal nahe Hannover den Zug nur so langsam stoppen können, dass er fast mit einem Regionalexpress zusammengeprallt wäre, sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Als er dies der Fahrdienstleiterin gemeldet habe, habe sie jedoch nicht reagiert sondern ihn angewiesen, weiterzufahren. Die Bahn bestätigte inzwischen, dass der Güterzug das Haltesignal überfahren hatte, bestritt aber die Darstellung, der Lokführer habe die Anweisung zur Weiterfahrt erhalten. Aus der Aufzeichnung des Funkverkehrs gehe hervor, dass nicht über Bremsprobleme gesprochen worden sei.
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Freitag, der Bericht werde überprüft. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Eingriffe in den Schienenverkehr, fahrlässiger Körperverletzung und Umweltgefährdung richteten sich jetzt nicht mehr nur gegen die beiden Lokführer, sondern auch die zuständige Fahrdienstleiterin, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.
Rund 600 Anwohner und Feuerwehrleute hatten nach der Explosion des Chemiewaggons mit Epichlorhydrin über Kopfschmerzen, Augenreizungen und andere Vergiftungserscheinungen geklagt. Nach den ersten vorliegenden Untersuchungen der Gesundheitsbehörden weist mindestens jede zehnte von rund 300 ausgewerteten Blutproben erhöhte Leberwerte auf. Dies bedeute, dass diese Personen giftige Stoffe aufgenommen hätten, teilte das Sozialministerium unter Berufung auf Angaben des Landesgesundheitsamtes am Freitag in Hannover mit.