Bahnunglück: Die Todesfahrt des D 261 - DER SPIEGEL
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Bahnunglück Die Todesfahrt des D 261

Die Fahrt im Nachtzug D 261 auf der Strecke Paris-München wurde zwölf Menschen zum Verhängnis. Sie erstickten oder verbrannten in einem Schlafwagen, in dem ein Feuer ausgebrochen war. Unter den Toten befinden sich drei Deutsche.
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München - In dem Wagen, in dem der Brand aus bislang noch ungeklärter Ursache ausgebrochen war, hielten sich nach Erkenntnissen der Bahn AG 21 Menschen auf. Neun Passagiere konnten sich befreien, zwölf starben. Höchst wahrscheinlich erstickten sie im dichten Rauch, sagte Bahn-Vorstand Hans G. Koch am Mittwochnachmittag in Frankfurt. Unter den Toten seien drei Deutsche, vermutlich stammten sie aus dem süddeutschen Raum. Zu den Toten gehörten auch fünf Amerikaner, darunter zwei Kinder im Alter von acht und zwölf Jahren.

Der Schaffner habe vor seinem Abteil im ersten Wagen gesessen, als der Brand ausbrach. Er habe dies sofort bemerkt und den französischen Zugführer informiert, der dann die Notbremse gezogen habe. "Ein Rauchmelder hätte auch nicht mehr tun können, als den Brand zu melden", sagte Koch. Es sei die Aufgabe der Zugbegleiter, im Notfall Menschen zu retten. Der Schaffner sei leicht verletzt mit einer Rauchvergiftung im Krankenhaus.

In Panik schlugen Fahrgäste Fenster mit Nothämmern ein und sprangen ins Freie. Schaffner und Zugführer erlitten einen schweren Schock. "Als wir den Rauch bemerkten, sind wir in den nächsten Wagen geflüchtet", berichtete ein Reisender. Ein anderer Passagier erzählte: "Ich habe Rauch gerochen. Dann habe ich gesehen, dass zwei Kontrolleure nach vorne liefen und dann ist der Zug zum Stehen gekommen." Ein Feuerwehrmann berichtete, die Folgen des Feuers seien deswegen so katastrophal, weil es in einem geschlossenen Raum ausgebrochen sei. "Der Brand war begrenzt, aber der Rauch hat schnell katastrophale Ausmaße erreicht."

Viele Reisende in den anderen Waggons des mit insgesamt rund 150 Menschen besetzten Zuges hätten von dem Feuer überhaupt nichts bemerkt. Einige Passagiere seien erst um 5.30 Uhr geweckt worden. Viele Reisende waren am Mittwochnachmittag auf dem Weg nach Deutschland oder bereits hier angekommen. Sie wurden im Zug und bei ihrer Ankunft von Psychologen und Ärzten betreut. Auf Wunsch biete die Bahn auch Angehörigen psychologische Betreuung an, sagte Koch.

Der Wagen war nach Angaben der Bahn 1964 gebaut und 1999 komplett umgebaut worden. Im Juni 2001 wurde er generalüberholt. 16 der 152 Schlafwagen der Deutschen Bahn, die täglich im Einsatz sind, sind nach Angaben des Unternehmens baugleich mit dem Unglücks-Waggon. Die Nachtzüge verkehren in den nächsten Tagen fahrplanmäßig. Die Bahn betonte, sie sehe zwar keine Sicherheitslücke im Nachtreiseverkehr, werde vorsorglich aber alle Zugbegleiter vor Dienstantritt erneut über die Sicherheitsbestimmungen informieren.

Für Informationen hat die Bahn unter der Telefonnummer 0800-3111111 eine Hotline eingerichtet.