Bambi-Verleihung Der Auftritt des Boris B.
Berlin - Die Rührungstränen der schönen Film-Newcomerin Charlize Theron, das gute Deutsch von Hollywoodstar Sandra Bullock, der sagenhafte Hintern von Latino-Popqueen Jennifer Lopez oder die Gänsehautstimme von Comeback-Star Tom Jones blieben zweitrangig auf der Gala im Berliner Hotel Estrel. Alles drehte sich um Boris Becker.
Becker sollte die Gala veredeln. Erst am Dienstag hatte die Bekanntgabe seiner Trennung von Ehefrau Barbara die (donnerstags erscheinenden) Societyblätter in helle Aufregung versetzt - "Gala" stoppte die Druckpressen und kloppte in vier Stunden eine elfseitige Sonderstory zusammen, während sich die "Bunte" mit dem strahlenden Ex-Paar und der Zeile "Ehefrauen über ihre erotischen Männer" auf dem Titel kalt erwischt zeigte.
Nun sollte die Stunde der "Bunten" doch noch schlagen: Zur Verleihung des Medienpreises "Bambi" durch den Burda-Verlag, zu dessen Flaggschiffen die "Bunte" gehört, war nicht nur Boris Becker, sondern auch der vermeintliche Trennungsgrund, Rapperin Sabrina Setlur, als Preispatin angekündigt. Trotz der Aufruhr kniff keiner von beiden, und der Blätterwald rauschte entzückt. "Boris und Sabs zusammen in Berliner Hotel" lechzte die BZ am Freitag.
Doch das Boulevardgeschäft ist vor allem ein Versteckspiel, in dem kaum etwas mehr gefürchtet wird, als dass es nichts zu entblößen gibt. Zwar hatte es ein "Gala"-Reporter geschafft, in Beckers Limousine vom Potsdamer Platz zum zehn Kilometer entfernten Hotel Estrel mitzufahren und auch "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel plauderte persönlich mit Becker. Aber dann stellte sich Boris Becker am roten "Bambi"-Teppich vor ein Mikrofon und sagte öffentlich, was er auch den anderen schon gesagt hatte: Alles Quatsch mit Sabrina, er wolle nun mit Barbara über die getrennte Zukunft nachdenken.
Herzige Sippenverbundenheit
Die schöne Rapperin enthielt sich jeden Kommentars und nahm im Saal drei Reihen hinter Boris Platz. Der saß ganz vorn und ganz praktisch neben Claudia Schiffer, mit der er gemeinsam den Ehren-Bambi an Franz Beckenbauer verlieh.
Die Verleihung selbst ersäufte alle Sensationslust in trautem Familienglück. Wie zum Beweis, dass man sich für das Spiel "In welcher Familie kracht´s als nächstes?" nicht mal für die Vorrunde qualifizieren würde, demonstrierten Gäste und Paten herzige Sippenverbundenheit.
Franz Beckenbauer, frischgebackener Ausrutschervater und Ehren-"Bambi"-Empfänger, scherzte über die letzten Monate, "in denen soviel passiert ist, dass Jahre vergangen zu sein scheinen". Gattin Sybille ertrug´s mit ebenso tapferem Lächeln wie die Sticheleien von Ottfried Fischer ("Roberto Blanco und Franz Beckenbauer kriegen in diesem Jahr den Nachwuchspreis"). Claudia Schiffer kam mit Schwester Carolin und den Brüdern Stefan und Andreas im Schlepptau. Sandra Bullock, ausgezeichnet als Internationaler Filmstar, dankte ihrer fast vollständig anwesenden deutschen Familie ("Caroline, Maxi, Tante Christl und Onkel Heinz"), um anschließend zärtlich die Hände mit ihrem Begleiter Bob Steiner zu verschränken. Auch Uwe Ochsenknecht, Hand in Hand mit Ehefrau Natascha erschienen, setzte noch schnell ein paar Grüße an "Mama, Jimi und Wilson" ab. Einzig Sabine Christiansen zeigte Mut zur Krise. Gerührt von ihrer Ehrung mit dem Überraschungsbambi wandte sie sich an ihren verdutzten Mann: "Hast du davon gewusst, Schatzi? Wenn ja, gibt´s Ärger zu Hause!"
Weitere Preisträger: Bergsteiger Reinhold Messner (Lebenswerk), "Escada"-Chef Wolfgang Ley (Mode), TV-Macher John De Mol (Fernsehen), Post-Sanierer Klaus Zumwinkel (Wirtschaft), Sabriye Tenberken für Blindenbetreuung in Tibet (Charity), die Popgruppe Echt (Pop National), Leichtathletin Heike Drechsler (Sport), Zoran Djindjic, Chef der Demokratischen Partei Serbiens (Politik)