Banda Aceh: Erstarrung in der Stadt des Todes - DER SPIEGEL
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Banda Aceh Erstarrung in der Stadt des Todes

Fünf Tage ist es her, als zuerst ein starkes Erdbeben Banda Aceh im Norden Sumatras erschütterte. Dann kamen Flutwellen, einige 20 Meter hoch, wie Anwohner berichten - und noch heute sind der Ort und seine Einwohner wie erstarrt von der schier unglaublichen Katastrophe, die sie heimgesucht hat.
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Banda Aceh - Autowracks, Matratzen, Hausrat, Motorräder, Lastwagen türmen sich in den Straßen zu riesigen Haufen. Fischerboote bohren sich wie bizarre Figuren in Gebäude hinein - mitten in der Stadt, Kilometer vom Meer entfernt.

Der grauenhafteste Platz in Banda Aceh ist allerdings die Peunayong-Brücke, einst ein idyllischer Ort am Fluss Kreung Aceh: Die Tsunamis warfen bunte Fischerboote gegen sie. Auf der anderen Seite der Brücke treiben Trümmer und darin - Dutzende von Leichen, in einem schaurigen Muster der Verwesung: Männer, Frauen, Kinder, Babys. Ihre Körper sind aufgeschwemmt und schwarz, die Gesichter unkenntlich.

Helfer haben einige von ihnen aus dem Wasser geborgen, nun liegen sie in zwei Haufen in Plastikplanen auf der Brücke. Die Arme eines Mannes recken in den Abendhimmel, als ob er die Wassermassen in den Sekunden seines Todes mit seinen Händen aufhalten wollte.

Einwohner rollen auf Motorrädern und in Autos heran. Fast alle Bewohner der Stadt tragen Masken, um sich gegen den Geruch der Leichen und der Trümmer zu schützen. Junge Männer können ihre Tränen nicht zurückhalten, als sie von der Brücke auf die Leichen im Wasser hinabblicken.

Ein Schützenpanzer der Armee sichert in der Nähe ein buntes Geschäftshaus, das wie durch ein Wunder stehen geblieben ist. Daneben ist ein Einkaufszentrum in sich zusammengesackt. Ganze Straßenzüge scheinen dem Erdboden gleich gemacht. Viele Bezirke, in denen einst das Leben schwirrte, sind menschenleer. Das Minarett der Hauptmoschee, die ansonsten unversehrt blieb, ist ebenfalls angeschlagen.

Auf dem Flughafen sind am Nachmittag zwei Transall-Maschinen mit ersten Hilfsgütern eingetroffen. Auf dem Weg zur Innenstadt schaufeln Soldaten ein Massengrab. Vor den Moscheen drängen sich Menschen, um die Listen mit Namen der Toten zu studieren.

Vor einer Tankstelle wartet eine lange Schlange von Autos und Menschen mit Kanistern. Auf dem Mittelstreifen an der Straße haben sich Anwohner provisorische Unterkünfte unter Planen eingerichtet. Offenkundig fürchten sie, ihre Häuser könnten zusammenbrechen.

Die Geschäfte sind geschlossen, nur eine Händlerin am Straßenrand verkauft Tomaten. Strom gibt es nicht, das Benzin wird knapp. Ein Generator liefert allerdings Energie für den Gouverneurspalast, in dem sich ein Lagezentrum befindet. Hilfsorganisationen und Regierungsbeamte versuchen hier noch immer den Schaden einzuschätzen, und sprechen von "Trillionen von Rupias".

Der Englisch-Lehrer Said Fahmi steht mit seiner Tochter Sharifah im Arm neben dem Wrack eines Fischerboots vor dem Hotel "Medan". Er hat seine Eltern, drei Kinder und seine Frau verloren. "20 Minuten hat die Erde geschüttelt", erinnert er sich. "Dann kam das Wasser. Überall trieben Körper."

Trotz seiner Trauer macht er sich noch Gedanken, wie eine solche Tragödie, die auch sein Leben zerstört hat, vermieden werden kann: "Wir brauchen ein besseres Frühwarnsystem für Erdbeben", sagt er.