Bangladesch Explosion in Textilfabrik - Hunderte verschüttet
Dhaka - Etwa 90 Menschen konnten sich unversehrt aus den Trümmern retten oder wurden verletzt geborgen und in Krankenhäuser gebracht. Die Rettungskräfte setzten Schweißgeräte ein, um an Eingeschlossene heranzukommen und Überlebenden Luft zum Atmen zu verschaffen. Auch mit bloßen Händen und Brecheisen wühlten sich Soldaten und Feuerwehrleute durch den Schutt. Besorgte Angehörige halfen. "Mein Bruder arbeitete in diesem Werk. Er ist vermisst", klagte Munni Akthar, der in einer anderen Bekleidungsfabrik beschäftigt ist.
Ein Überlebender erzählte, er habe sich mit 90 Arbeitern im siebten Stock der Fabrik befunden, wo Pullover hergestellt worden seien. "Plötzlich gab es einen großen Knall und dann fing das Gebäude zu schwanken an und stürzte ein", berichtete der Arbeiter. "Bevor ich wusste, wie mir geschah, war ich unter Betonplatten begraben."
Während es zunächst hieß, bei den Opfern handele es sich vor allem um Frauen, erklärte der Überlebende Haider Alil, in der Spätschicht seien vor allem Männer beschäftigt gewesen. Der Arbeiter Kaiser Ahmed sagte, die Fabrik Spectrum Garments habe rund 80.000 Kleidungsstücke hergestellt, die vor allem in die USA sowie nach Belgien und Deutschland exportiert worden seien. Markennamen konnte er nicht nennen.
Die Regierung ordnete eine Untersuchung des Unglücks an. Ministerpräsidentin Khaleda Zia besuchte einige der Verletzten im Krankenhaus. Das Fabrikgebäude war nach Angaben von Beschäftigten vor drei Jahren in einem sumpfigen Gelände errichtet worden. Ein Gutachter deutete an, dass der massive Einsturz nach der Explosion auf mangelhafte Bauqualität zurückzuführen sein könnte.
In Bangladesch gibt es rund 2500 Textilfabriken, in den rund 1,8 Millionen Menschen beschäftigt sind, 90 Prozent von ihnen sind Frauen. Der südasiatische Staat führt jährlich Textilien im Wert von rund vier Milliarden Euro aus.