Bangladesch: "Leichen schwimmen in den Reisfeldern" - DER SPIEGEL
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Bangladesch "Leichen schwimmen in den Reisfeldern"

Nach dem verheerenden Tropensturm "Sidr" erhöht die internationale Staatengemeinschaft die Hilfe für Bangladesch. Dort sind immer noch Zehntausende von jeder Versorgung abgeschnitten.
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Dhaka - Vier Tage nach dem verheerenden Tropensturm "Sidr" hat die Bundesregierung ihre Soforthilfe für die Opfer aufgestockt. Sie werde eine Million Euro für humanitäre Hilfe in Bangladesch zur Verfügung stellen, erklärte das Auswärtige Amt. Zuvor hatte auch die EU-Kommission nach eigenen Angaben ihre Hilfsgelder auf 6,5 Millionen Euro aufgestockt.

Im südlichen Bangladesch warten trotz internationaler Hilfsbemühungen noch Zehntausende Betroffene auf Unterstützung. Zerstörte Straßen hindern die Helfer daran, in die betroffenen südlichen Regionen des Landes vorzudringen. "Es gibt viele Dörfer in entlegenen Gebieten, die bisher noch nicht erreicht wurden," bestätigte Heather Blackwell, Leiterin der britischen Hilfsorganisation Oxfam in Bangladesch.

Die Regierung in Dhaka setzt inzwischen das Militär für die Versorgung der Opfer ein, Hilfsgüter würden laut offiziellen Angaben mit Hubschraubern, Schiffen und Lastwagen in die Krisenregion transportiert.

Mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern war der Tropensturm "Sidr" am Donnerstag über Bangladesch hinweggezogen. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond geht davon aus, dass bis zu 10.000 Menschen dabei ums Leben kamen. Bisher sind laut offiziellen Angaben 3113 Tote aus dem Schlamm der zurückweichenden Fluten geborgen worden.

"Leichen schwimmen immer noch in den Flüssen und Reisfeldern," berichtete ein 50-Jähriger Lehrer aus der Region Barguna, etwa 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Dhaka. Im Katastrophengebiet drohen nun Hunger und Seuchen. Etwa drei Millionen Menschen wurden entweder aus den überfluteten Küstengebieten der Südküste evakuiert oder verloren ihre Häuser und wurden obdachlos.

Noch immer werden etwa 1000 Fischer vermisst, erklärte die Hilfsorganisation World Vision. "Viele von uns kletterten in die Bäume in den Sundarbans," sagte ein Fischer aus dem schwer zugänglichen Naturschutzgebiet. "Aber ich fiel vor Schreck vom Baum, als ich unten einen Tiger sah." Die Wellen trugen ihn weiter in den Mangrovenwald hinein, er überlebte den Sturm.

Der Außenpolitische Berater der Regierung teilte heute in Dhaka mit, dass die Behörden alle Maßnahmen ergriffen hätten, um die Bevölkerung vor dem Zyklon zu schützen. Dennoch seien schwere Schäden entstanden, deren Ausmaß noch nicht abzuschätzen sei. "Wir begrüßen die Hilfe der Internationalen Gemeinschaft," sagte er weiter.

Die USA kündigten Hilfe im Wert von umgerechnet 1,3 Millionen Euro an. Saudi-Arabien will 68 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

hei/ala/Reuters/AFP/dpa