Barbie Vollblutweib mit Vorbildfunktion
Hamburg - Müsste Barbie eine Bewerbung schreiben, käme sie im Bereich "Berufliche Tätigkeiten" mit einer Seite ganz gewiss nicht aus. In 45 Jahren hat sie mehr als 60 Arbeitsstellen gehabt. Womit sich Barbie ihr Geld verdient, wofür sie es ausgibt und was sie sonst noch zu bieten hat, ist in der Ausstellung "World of Barbie" dokumentiert, die zurzeit im Forum am Deutschen Museum in München zu sehen ist.
Geboren wurde Barbie am 9. März 1959. Das war der Tag, an dem Ruth Handler, die Mitbegründerin der US-Firma Mattel, der Welt die erste ihrer Puppen vorstellte. Die Plastikfrau war benannt nach Handlers Tochter Barbara - "die Kurzform ist Barbie", erklärt Barbie-Expertin Esther Jordan, die die Ausstellung konzipiert hat. Im Privatleben hatte Barbie jahrzehntelang Freund Ken an ihrer Seite. Der durchtrainierte Mann ist nach Handlers Sohn benannt. 1963 folgten Barbies Freundin Midge und später über ein Dutzend weitere Mitglieder des Barbie-Clans. Geheiratet hat die hübsche Dame ihren Ken übrigens nie: "Sie führte alle Brautkleider nur auf dem Laufsteg vor", sagt Jordan.
Mit der Zeit wandelte sich auch die Mode der 29 Zentimeter großen Puppe. "Sie folgte den Trends, das ist eines der Geheimnisse ihres Erfolgs", sagt Jordan. In den späten fünfziger Jahren orientierte sich die Bekleidung an der Pariser Haute Couture, aber auch am Glitterstil des Idols Elvis Presley. In den sechziger Jahren ähnelte Barbie prägenden weiblichen Vorbildern wie Grace Kelly oder Stil-Ikone Jackie Kennedy. Ende der Sechziger wurde die Mode blumig, knallig und schrill - so auch die Garderobe der Puppe.
Der Fitnessboom Anfang der achtziger Jahre ging ebenfalls nicht spurlos an der blonden Schönheit vorbei. Statt sich ins Designerkostümchen zu zwängen, warf sie sich in praktische Sportklamotten. Ken hechelte beim Jogging brav neben seiner Barbie her - bis in die neunziger Jahre: Da tauchte Blaine an Barbies Seite auf - ein braun gebrannter Surfer.
Auch beruflich gab es viele Veränderungen in ihrem Leben: Im Laufe der Jahrzehnte hat Barbie Burger gebraten und Fluggäste bedient, sie war Designerin, Heimchen am Herd und Studentin der renommierten Pariser Universität Sorbonne. Doch das genügte ihr nicht. Barbie machte sich daran, Männerdomänen zu erobern. Die Krankenschwester mit Flügelhäubchen und Bettflasche hatte ausgedient. Schon in den Siebzigern schwang sie als Chirurgin das Skalpell, in den neunziger Jahren war sie Allgemeinmedizinerin und Veterinärin. Seit 2003: Kinderärztin.
Doch nicht nur auf dem Gebiet der Medizin wollte Barbie Vorreiterin sein. Sie wurde Unicef-Botschafterin (1990) und Baseball-Star (1993). Die Feuerwehrfrau - sie stammt aus dem Jahr 1995 und ist seit September 2001 ein gefragtes Sammlerobjekt - trägt den verheißungsvollen Titel "We girls can do anything".
Barbie als Kämpferin für die Rechte der Frauen - wer hätte das gedacht? "Das Image 'rosa Klamotten, blond und blöd' ist eigentlich erst zu Beginn der neunziger Jahre entstanden", sagt Barbie-Fachfrau Esther Jordan. "In Wahrheit ist Barbie eine fortschrittliche Frau." Und den politischen Realitäten ist sie weit voraus: Aus dem Jahr 1992 stammt "Barbie for President", eine in dunkelblau, weiß und rot gewandete Präsidentschaftskandidatin für das mächtigste Amt der Vereinigten Staaten. Von dieser Puppe gibt eine zweite Version - sie ist dunkelhäutig.
World of Barbie
In der Ausstellung "World of Barbie" sind mehr als tausend Exponate zu sehen, darunter 40 von Prominenten entworfene Puppen, die beim Internet-Auktionshaus eBay zu Gunsten der SOS-Kinderdörfer versteigert werden. Die Ausstellung in München ist noch bis zum 7. November geöffnet. Danach wird sie in Hof, Hamburg, Augsburg und Frankfurt zu sehen sein.