Becker gegen Becker Die letzte Chance auf Einigung
Miami - Die Stimmung der vergangenen Tage täuschte. Immer wieder hieß es aus den Kreisen der beiden Noch-Eheleute Becker, die Scheidungsverhandlungen seien so gut wie abgeschlossen, beide Seiten seien sich einig. Boris Becker konnte die Kinder sehen. Und er traf sich, sogar ohne Rechtsbeistand, mit Barbara zum Essen.
In einem ersten Vertragsentwurf hatten die Anwälte des Ex-Tennisstars seiner Ehefrau rund 15 Millionen Mark Abfindung angeboten. Diese Summe hatten Boris und Barbara Becker zuvor in privaten Gesprächen ohne die Anwälte vereinbart.
Neue Forderungen
Gestern Abend jedoch gab es neue Forderungen: Die Abfindungssumme solle fast verdreifacht werden, sonst komme man nicht mehr zusammen. Die Parteien gingen ohne Lösung auseinander. Für Boris Becker, so ein Freund, kam diese neue Forderung "völlig überraschend".
Für den mehrmaligen Wimbledon-Sieger steigt der Druck. Er hatte sich, so Freunde, schon auf eine gütliche Einigung eingestellt. "Er kehrte langsam zu einem normalen Leben zurück, kümmerte sich sogar wieder ein bisschen um seine Firmen", sagt ein Vertrauter. Diese Hoffnung sei durch die neue Forderung zerbrochen; beide Parteien stehen sich nun wieder feindlich gegenüber.
Undurchschaubare Verhandlungstaktik
Barbara Beckers Anwalt Samuel Burstyn bremst jedoch nicht nur durch seine undurchsichtige Verhandlungstaktik das Fortkommen, sondern auch durch seinen engen Terminkalender: Bereits bei vergangenen Beratungen hatte er immer wieder abgebrochen, da er zu anderen Geschäften eilen musste. Das vergangene Wochenende war er gar nicht zu erreichen, da er geschäftlich in New York weilte. Ohne ihn läuft jedoch nichts.
Jetzt hat Samuel Burstyn einen weiteren Termin. Noch heute Abend fliegt der Staranwalt wegen Geschäftsverhandlungen nach Wien. Für Boris Becker bedeutet das: Kommt es heute zu keiner Einigung, passiert für Tage nichts.
Damit würde es immer wahrscheinlicher, dass die Frist bis zum nächsten gerichtlichen Termin am 18. Januar ungenutzt verstreicht. Dann würde weiter vor dem Miami Dade Court verhandelt. "Man muss kein Hellseher sein, um zu merken, dass Herr Burstyn ganz offensichtlich mit diesem öffentlichen Termin droht, um seine Ziele durchzusetzen", sagte ein Vertrauter des Ex-Tennisprofis. Zwar wolle Boris Becker einer öffentlichen Auseinandersetzung unbedingt aus dem Wege gehen. Einlenken wolle er deshalb jedoch nicht: "Die Forderung ist einfach zu hoch."
Neues vom unehelichen Kind
Unterdessen meldete sich die Frau zu Wort, die angeblich die Mutter eines unehelichen Kinds von Boris Becker ist: Das Londoner Model Angela Ermakowa. Sie hat in einem Sat.1-Fernsehinterview erstmals eine Vaterschaftsklage gegen Boris Becker bestätigt. Ihre Tochter Anna stamme angeblich aus einer Affäre mit dem Ex-Tennisstar. "Ja, es stimmt, das Kind ist von Boris Becker", sagte die 33-Jährige. Nach Berichten britischer Boulevardzeitungen ist das Kind in einem Londoner Nobel-Restaurant gezeugt worden.
Auf die Frage, ob sie Geld von ihm haben wolle, antwortete sie: "Das stimmt nicht. Das Baby ist gerade neun Monate alt - ich könnte Millionen damit machen. Ich möchte, dass die Leute wissen, dass Anna seine Tochter ist!" Becker habe ihr sogar Geld angeboten: "Ja, er hat das getan, mehr brauchen Sie nicht zu wissen."
Von der Londoner Anwaltskanzlei Mishcon de Reya, die nach Berichten das Model vertritt, gab es auch am Freitag keine Stellungnahme.
Detektive in Miami?
Andere Quellen berichten, dass englische Detektive in Miami nach Becker suchen, um ihm persönlich die Vaterschaftsklage zu übergeben. Ermakowa wolle ihn zu einem Vaterschaftstest zwingen, hieß es. Die gebürtige Russin habe angeblich sieben Zeugen, die zu ihren Gunsten vor dem Londoner Familiengericht aussagen werden. Sie verlange knapp elf Millionen Mark von Becker, berichtete der Internetdienst Gala-Online.
Beckers Berater in Miami wollten sich zu der Vaterschaftsklage nicht äußern. Bisher lägen keine Klageschriften vor, hieß es. Außerdem behandele man den Fall "nicht mit höchster Priorität". Auch Beckers Münchner Anwälte blockten ab. "Kein Kommentar", hieß es.