Becker gegen Becker Richter Gross hat das Wort
Miami - Punkt 16.30 mitteleuropäischer Zeit wird es heute im Miami Dade Court losgehen im "Case Becker", wie der Gerichtssprecher den Streit nennt. Im Raum 1925 muss Richter Maynard Gross entscheiden, ob der Fall Barbara gegen Boris Becker für alle zugänglich oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden soll. Ob die beiden zum ersten Termin erscheinen werden steht noch nicht fest. Boris Becker jedenfalls ist vorgestern nach Miami geflogen.
Bereits jetzt buhlen amerikanische und deutsche Fernsehsender um die Rechte an den Bildern der Pool-Kamera, die im Gericht filmt, falls der Prozess am Montag öffentlich weitergeführt wird. Manche Sender wollen sogar ihr Programm unterbrechen, falls sich in Miami etwas Neues ergibt. Ob es dazu kommt, hängt allerdings von der heutigen Entscheidung ab.
Klar ist jedoch, dass die beiden zerstrittenen Eheleute am Freitag erstmals zur Sache aussagen müssen. Sowohl der Boris Becker-Anwalt als auch Barbara Beckers juristische Vertreter haben die jeweils gegnerische Partei zu einer verpflichtenden Videobefragung geladen. Barbara Becker muss am Freitag morgen um neun Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ) in der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie in Miami aussagen, ihr Noch-Ehemann soll um ein Uhr (19 Uhr MEZ) mittags bei ihrem Anwalt Samuel Burstyn Rede und Antwort stehen. Die Aussagen sind gerichtsverwertbar.
Beide Seiten sparen nicht mit Vorwürfen
Am Freitag werden die Streitpunkte und Widersprüche erstmals zur Sprache kommen. In den letzten Wochen hatte es beim Gericht eine regelrechte Schlammschlacht mit diversen Anträgen und Anschuldigungen gegeben. So klagte zum Beispiel Barbara Becker, ihr Mann habe ihr die American-Express-Kreditkarte gesperrt oder zumindest mit einem Limit (einem sogenannten "Cap") belegt und dem Hauspersonal für das Appartement auf Fisher Island (Florida) gekündigt.
Sich selbst deklariert Frau Becker als komplett mittellos. Als Beruf trug sie in eine Einkommensliste "Mutter/Ehefrau" ein. Alles was sie habe, seien etwa 10.000 Dollar in bar und "Schmuck in unbekannten Wert", notierte sie auf einem neunseitigen Formblatt zu den Familieneinkünften. In einem anderen Schreiben heißt es, sie sei so sehr mit der Erziehung beschäftigt, dass sie keinen Beruf mehr ausüben könne.
Auch intime Details werden in dem Schreiben vom 27. Dezember enthüllt. Barbara Becker wirft ihrem Mann vor, er habe sie bei Streits im Beisein der Kinder "psychologisch eingeschüchtert", um sie zur Scheidung zu bewegen. In allen Schreiben deklariert sich Barbara Becker als "die verlassene" Ehefrau. Boris habe sie ebenfalls durch lancierte Informationen an die Presse unter Druck gesetzt.
Weiterhin habe er das Appartement auf Fisher Island betreten und "persönliche Gegenstände" von ihr aus der Wohnung entfernt. Einmal habe er sogar die Kinder "entfernt", ohne Bescheid zu sagen. In allen Schriftstücken - egal von welcher Seite - schwebt zwischen den Zeilen, dass die Ehe der Beckers seit mindestens zwei Jahren schwer angeschlagen ist.
Werden die Videos veröffentlicht?
Boris Becker hat bisher alle Vorwürfe seiner Frau zurückgewiesen. Weder habe er die Kreditkarten gesperrt, noch dem Hauspersonal gekündigt, teilte Becker durch seine Anwälte mit. Er zahle weiter "einen angemessenen Betrag" für Frau und Kinder. Becker wiederum beschuldigt seine Noch-Ehefrau der Kindesentführung und hat beim Generalbundesanwalt einen Antrag auf Rückführung von Noah und Elias nach München gestellt. Nach der offiziellen Trennung der beiden hatte Barbara Becker die beiden Söhne mit nach Florida genommen, wo der ältere Noah bereits zur Schule geht.
In München soll, wenn es nach Boris Becker geht, der gesamte Fall - also Scheidung und Unterhaltsregelung - verhandelt werden. Dann käme auch der bereits 1993 abgeschlossene Ehevertrag der Beckers zur Geltung. Genau das will Barbara Becker mit ihrer Klage verhindern.
Unklar ist noch, wie mit der Videoaufzeichnung der Anwälte umgegangen wird. Falls sie Teile der Aussage vor Gericht verwenden wollen, müssten sie die Bänder nach amerikanischem Recht veröffentlichen, da alle Beweismittel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen. Ähnlich wie bei den Befragungen des US-Präsidenten Bill Clinton könnte dann die Öffentlichkeit die Aussagen zu teilweise sehr intimen Vorwürfen verfolgen. Für die Fernsehsender wäre dies ein lukratives Geschäft, denn die Ausstrahlung der Clinton-Vernehmung brachte ein Rekordpublikum vor die Bildschirme.