Beisetzung: Hunderte nehmen Abschied von Jessica - DER SPIEGEL
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Beisetzung Hunderte nehmen Abschied von Jessica

Die verhungerte siebenjährige Jessica aus Hamburg ist heute beerdigt worden. Rund 200 Menschen gaben dem kleinen weißen Sarg im strömenden Regen das letzte Geleit, darunter auch Bürgermeister Ole von Beust.
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Hamburg - Pastor Thies Hagge sprach an dem blumengeschmückten Grab auf dem Friedhof in Rahlstedt heute nur ein kurzes Gebet. Jessicas Eltern, die in Untersuchungshaft sitzen, erschienen nicht zur Beisetzung. Sie hatten das Kind, das in der vergangenen Woche an Unterernährung gestorben war, wie eine Gefangene gehalten. Ihnen wird gemeinschaftlicher Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen.

Neben Plüschtieren und Kränzen von Senat und Bürgerschaft fanden sich am Grab auch ein Gesteck der Hausgemeinschaft mit der Aufschrift "Liebe Jessica, wir wussten nichts von dir" sowie ein rotes Nelkenherz, auf dem geschrieben stand: "Dein großer Bruder Andre, Dir kleiner Engel". Auf dem schlichten Grabstein aus Granit steht nur "Jessica, 1997 - 2005".

Bürgermeister Ole von Beust verließ den Friedhof bereits nach kurzer Zeit wieder. "Es ist gut, dass er hier war", sagte der Pastor. "Das zeigt, dass den Politikern Jessicas Schicksal nicht gleichgültig ist." Neben Beust war auch der Wandsbeker Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs erschienen. Rita Jakubik, eine der Trauernden, sagte: "Wenn man dem Kind so schon nicht helfen konnte, sollte man ihm wenigstens so seine Anteilnahme schenken." Zwei Schülerinnen aus Jessicas Heimatstadtteil hatten extra für die Beerdigung schulfrei bekommen. Viele Menschen legten Blumen und Teddys am Grab nieder.

Das Kind musste nach Polizeierkenntnissen in einem abgedunkelten Zimmer dahinvegetieren und wog bei ihrem Tod nur noch 9,5 Kilogramm. Eigentlich hätte Jessica seit August zur Schule gehen müssen. Sie war aber nie eingeschult worden. Die Schulbehörde hatte nach vergeblichen Hausbesuchen lediglich ein Bußgeldverfahren gegen die Eltern eingeleitet.