Belgien: Zeitung will Kinderschänder-Liste veröffentlichen - DER SPIEGEL
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Belgien Zeitung will Kinderschänder-Liste veröffentlichen

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Brüssel - Die Namen von 50 belgischen Pädophilen sollen am Donnerstag in dem luxemburgischen Wochenblatt "L'Investigateur" veröffentlicht werden. Das kündigte Herausgeber Jean Nicolas am Mittwoch in einem Interview mit der flämischen Zeitung "Het Laatste Nieuws" an. In der kommenden Woche solle die Liste mit verurteilten Kinderschändern und Verdächtigen auch im Internet erscheinen.

"Das hätten wir schon früher tun sollen", sagte Nicolas, der in dem Zeitungsbericht als sensationslüsterner und nicht immer seriös arbeitender Journalist beschrieben wird. "Wenn es schon 1990 eine Pädophilenkartei gegeben hätte, dann wären Julie, Melissa und die anderen Mädchen nicht ermordet worden", ergänzte der Luxemburger mit Hinblick auf den seit 1996 inhaftierten belgischen Kinderschänder Marc Dutroux. Denn dieser sei schon damals als gefährlicher Pädophiler bekannt gewesen.

Wer ihm die Namen gegeben hat, will Nicolas nicht preisgeben. Sie stammten aber aus dem Dutroux-Dossier in Neufchateau, wo sich der Kinderschänder derzeit in Untersuchungshaft befindet und auf seinen Prozess wartet. Er stütze sich sich auf die Aussagen eines belgischen Gendarmen, sagte Nicolas. Die Liste enthalte nicht nur die Namen verurteilter Kinderschänder, sondern auch die von Verdächtigen. "Zugegeben, ich kann auch mal danebenliegen. Aber lieber einen falschen Namen veröffentlichen, als hinterher ein ermordetes Kind zu finden", sagte der Journalist der Zeitung. Die Polizei erklärte nach Rundfunkangaben, von einer solchen Liste nichts zu wissen.

Der belgische Justizminister Marc Verwilghen reagierte mit Empörung auf die Ankündigung. Nach Angaben des belgischen Rundfunks wollte er seinen luxemburgischen Amtskollegen bitten, gegen die Veröffentlichung vorzugehen. Sie verstoße in Belgien gegen das Recht auf den Schutz der Privatsphäre.