Todesort von Anne Frank »Ausländer raus«-Gesänge in Bergen-Belsen
Gedenkstätte Bergen-Belsen: »Solche Vorfälle passieren uns häufiger, als uns lieb ist«
Foto:Philipp Schulze / picture alliance / dpa
Das Bielefelder Helmholtz-Gymnasium ist offiziell eine »Schule ohne Rassismus« – gegen mehrere Schüler der Jahrgangsstufe 9 erstattete der eigene Schulleiter Anzeige wegen rassistischer Gesänge in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen. In dem ehemaligen Konzentrationslager, das heute als Gedenkstätte dient, starben Zehntausende Inhaftierte, unter ihnen auch Anne Frank. Als die Bielefelder Schüler im Sommer den Ort besuchten, skandierten einige von ihnen die Parole auf dem zentralen Gedenkplatz. Das berichtet die in Bielefeld erscheinende »Neue Westfälische« am Samstag .
Direkt nach dem Singen der Parole in der rassistisch umgedichteten Version des Gigi-D’Agostino-Hits »L’amour toujours« habe das Aufsichtspersonal der Gedenkstätte reagiert und die Jugendlichen zurechtgewiesen. Die mitreisenden Lehrer seien in dem Moment beschäftigt gewesen und hätten von dem Vorfall zunächst nichts mitbekommen. Der Schulleiter des Gymnasiums habe später Disziplinarmaßnahmen verhängt und den Vorfall zur Anzeige gebracht, berichtete die Zeitung weiter.
Der Vorfall hatte sich bereits im Sommer vergangenen Jahres ereignet, ist jedoch erst jetzt durch Recherchen des Blatts öffentlich geworden.
Dem WDR sagte der Schulleiter, dass sich hier »ein gesamtgesellschaftliches Problem« gezeigt habe. Und: »Solche Vorfälle passieren uns häufiger, als uns lieb ist.« Er führt das Verhalten auf die Nutzung und den Einfluss von Social Media zurück. Die Schüler, die teilweise Migrationshintergrund hatten, seien nicht von der Schule verwiesen worden und seit dem Vorfall auch nicht mehr auffällig gewesen.
Videos mit dem umgedichteten Partyhit werden seit Oktober 2023 im Internet verbreitet. Für einen Skandal sorgte im vergangenen Jahr besonders das Video einer Pfingstparty im Sylter Luxusort Kampen, auf der die Feiernden ebenfalls »Deutschland den Deutschen« skandiert hatten.
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Im KZ Bergen-Belsen starb unter anderem 1945 auch Anne Frank. Die Familie der Jüdin hatte sich zwischen 1942 und 1944 in einem Hinterhaus an der Amsterdamer Prinsengracht vor den Nazis versteckt. Dort entstand auch das weltberühmte Tagebuch. Die Franks wurden jedoch entdeckt und von der Gestapo festgenommen. Nur ihr Vater, Otto Frank, überlebte. Er veröffentlichte das Tagebuch seiner Tochter und wandelte das Haus in Amsterdam in ein Museum um.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, die Franks seien verraten und von der Gestapo festgenommen worden. Tatsächlich ist nicht gesichert, wie die Untergetauchten entdeckt wurden. Wir haben die Passage angepasst.