Bergführer in Südtirol: "Ich bin ein gebrochener Mann" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Bergführer in Südtirol "Ich bin ein gebrochener Mann"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bozen - Das schwere Lawinenunglück mit vier Toten in Südtirol hat in den italienischen Wintersportgebieten Entsetzen und Erschütterung ausgelöst. "Alle fragen, wer trägt die Verantwortung", sagte ein Fachmann in Bozen. Italienische Zeitungen nahmen insbesondere die Bergführer ins Visier. Bei einem Lawinenunglück in Südtirol waren am Montag vier Menschen getötet worden, darunter drei Deutsche. Sie waren trotz Lawinengefahr auf über 2800 Metern Höhe am Reschenpass unterwegs. Zwei Bergführer kamen mit dem Schrecken davon.

"Ich bin am Ende, mein Leben ist zerstört", sagte einer der beteiligten Bergführer, Hans Peter Eisendle (44), der Zeitung "Corriere della Sera". Er habe die vermeintlich sicherste Route gewählt und sei angesichts des Unglücks fassungslos. "Ich habe die Lawine gesehen, sie war gewaltig, so etwas habe ich noch nie erlebt." Der Mann, der als gewissenhafter und erfahrener Bergführer gilt, will eigenen Angaben zufolge keine Touren mehr leiten. "Ich glaube nicht, dass ich noch einmal den Mut haben werde. Ich bin völlig verunsichert, ich bin ein gebrochener Mann."

In Südtirol ist nach Angaben von Fachleuten die Lawinengefahr nach wie vor hoch. Es bestehe Alarmstufe drei auf einer Skala bis fünf. Bei dieser Warnstufe dürften keine Touren in steileren Hängen unternommen werden. Die Todeslawine am Montag sei jedoch nicht von Skifahrern ausgelöst worden. Vielmehr seien gewaltige Schneemassen an einem anderen Hang niedergegangen; durch das Getöse habe sich vermutlich die zweite Lawine gelöst. "Es war ein Domino-Effekt." Experten empfehlen als Vorsichtsmaßnahme, Skifahrer sollten Handys und Piepser mitnehmen. Auch Airbags könnten Leben retten.