Bergungsaktion Drei "Kursk"-Leichen gefunden
Moskau - Zweieinhalb Monate nach dem Untergang der "Kursk" hatte der Bergungstrupp seinen ersten traurigen Erfolg. Der Stabschef der russischen Nordflotte, Michail Mozak, bestätigte im russischen Fernsehsender RTR den Fund der sterblichen Überreste von drei Matrosen. Zuvor war ein russischer Taucher in das Heck des Boots eingestiegen und hatte die achte und neunte Sektion erkundet.
Noch im Laufe des Abends sollen die Leichen mit einem Spezialkorb an die Wasseroberfläche gebracht werden. "Das Ganze geschieht natürlich mit allem gebotenen Respekt", sagte Birger Haraldseid, Sprecher der norwegischen Spezialfirma "Halliburton", die die russischen Taucher bei ihrer Arbeit an der "Kursk" technisch unterstützt.
Der Taucher hatte zunächst nur fünf Meter tief in die "achte Sektion" im Heck der "Kursk" vordringen können. Wegen des sperrigen Tauchanzugs sei er nicht weiter voran gekommen, da der Durchgang zu eng wurde, sagte Admiral Wjatscheslaw Popow. Dagegen erklärte der Sprecher der Nordflotte, Wladimir Nawrozki, der Taucher sei nicht weitergekommen, weil der Luftschlauch seines Anzugs zu kurz sei. Mit einem längeren Schlauch solle ein neuer Versuch gemacht werden.
An der Decke der Sektion habe der Taucher ein Luftpolster entdeckt, erklärte Popow. Nach dem Untergang der "Kursk" am 12. August wurde tagelang vermutet, dass ein Teil der 118 Mann starken Besatzung dank verbliebener Luft das Unglück überlebt haben könnte. In der achten Sektion sollen sich zum Zeitpunkt des Unglücks sieben Seeleute aufgehalten haben.
Die Luke in eine untere Kammer der achten Sektion sei verschlossen und habe nicht geöffnet werden können, hieß es weiter. Die Luke in die benachbarte neunte Sektion lasse sich wegen eines Hindernisses nicht vollständig öffnen. Das U-Boot wurde durch eine gewaltige Explosion bei dem Unglück schwer beschädigt. Die Arbeit der Taucher im Inneren des Wracks gilt deshalb als äußerst gefährlich. Der Einsatz in mehr als 100 Meter Tiefe soll bei Gefahr für die Spezialisten sofort gestoppt werden.
Russische und norwegische Taucher hatten in den vergangenen Tagen ein 1,2 Meter breites Einstiegsloch in die achte Sektion der "Kursk" geschnitten. Derzeit wird auch an einem Loch in die benachbarte siebte Sektion gearbeitet. An der hintersten neunten Sektion wurde die Notausstiegs-Luke geöffnet. Aus der Sektion werde schmutziges Wasser abgepumpt, damit Taucher einsteigen können. Wegen des stürmischen Wetters in der nördlichen Barentssee ist ungewiss, ob die für eine Dauer von etwa drei Wochen geplanten Arbeiten abgeschlossen werden können.
In das Wrack steigen nur russische Taucher ein - ihre ausländischen Kollegen assistieren von einer Tauchglocke aus. Insgesamt müssen die Taucher sieben Löcher in die "Kursk" schneiden, um jeden Winkel im Innern des 154 Meter langen Wracks erreichen zu können. Die russischen Marinebehörden haben erklärt, sie hofften, etwa ein Drittel der 118 Leichen an die Oberfläche zu holen.