Berlin geht auf Löwenjagd - DER SPIEGEL
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Wildtiere Berlin geht auf Löwenjagd

• aus SPIEGEL Chronik 1/2023
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Fabian Sommer / dpa

Wer sich in der Nacht zum 20. Juli in Kleinmachnow bei Berlin aufhielt, bekam eine Benachrichtigung von der Nina-Warn-App: »Freilaufendes gefährliches Wildtier!« Die Behörden reagierten damit auf eine Meldung aus der Bevölkerung über Sichtungen gegen Mitternacht: Ein unscharfes Handyvideo hatte auf Twitter die Runde gemacht, auf dem angeblich eine Löwin ein Wildschwein jagte.

In den nächsten 37 Stunden folgte eine große Suchaktion nach einer mutmaßlich entlaufenen Löwin, die ganz Deutschland in kollektive Aufregung versetzte. Mehr als 200 Polizistinnen und Polizisten machten sich in den Wäldern von Berlin und Brandenburg auf die Suche – mitsamt Hubschraubern, Drohnen und anderem Gerät. Anwohnerinnen und Anwohner wurden dazu aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen, bis sich die Situation beruhigt habe. Währenddessen wurde viel spekuliert über die Herkunft der Löwin, kein Zoo und kein Zirkus vermisste so ein Tier.

Die Motivation der Berliner Polizei war hoch: »Wir werden so lange im Einsatz sein, bis das Tier gefunden ist«, sagte eine Sprecherin. Dabei wurden die Stimmen, die der Geschichte der streunenden Löwin misstrauten, kaum ernst genommen. So zweifelte der Berliner Wildtierexperte Derk Ehlert: »Grundsätzlich kann ein Löwe nicht einfach weg sein, er hinterlässt Spuren.« Joachim Scholz, Löwen- und Artenschutzfachmann von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, sah auf den Aufnahmen keine Löwin. »Der Schädel und die Proportionen des Körpers erlauben nicht, dieses ominöse Tier tatsächlich als Großkatze zu identifizieren.« Erst nach einer genauen Analyse des Videos durch Experten gab die Polizei Entwarnung. Es habe sich offenbar doch nur um ein Wildschwein gehandelt.

Als Erkenntnis blieb zurück, wie viele Löwinnen und Löwen im Bundesland Brandenburg registriert sind: 23, darunter eine private Haltung.

lph
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