Berlin Schockfahrt mit der S-Bahn
Berlin - Vorne in der Fahrerkabine steckt noch der Schlüssel in der Zündung - er gehört zu den wenigen Dingen, die in dieser S-Bahn noch an ihrem Platz sind. Der Rest des Zuges ist verwüstet: Die große Frontscheibe ist aus der Fassung geflogen und liegt zertrümmert auf den Gleisen. Sitze und Böden der einzelnen Waggons sind von dicken Glassplittern übersät. Sie zeugen von dem heftigen Aufprall, den es im Berliner Bahnhof Südkreuz heute Morgen gab.
Pünktlich um 10.25 Uhr war die S-Bahn der Linie 25 Richtung Hennigsdorf auf Gleis 2 eingefahren - doch die Schienen waren nicht frei. Vorne auf Höhe des Haltesignals befand sich ein Gleismessfahrzeug. Der Lokführer schaffte es nicht, rechtzeitig zu stoppen. Der Zusammenstoß der beiden Züge war so heftig, dass die Innenscheiben der Waggons zersprangen und auf die Menschen einprasselten. 180 Fahrgäste saßen in der S-Bahn. 31 von ihnen wurden mit Prellungen und Platzwunden leicht verwundet, zwei weitere Menschen erlitten schwere Verletzungen an Kopf und Bauch. "Wir haben Glück im Unglück gehabt", sagte ein Feuerwehrsprecher.
Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist bisher unklar. Eigentlich sind die Fahrten der Gleismesswagen in die Fahrpläne eingetragen. Ohnehin werden die Messwagen meistens nachts zur Kontrolle der Schienen eingesetzt, dann ist weniger Betrieb. Doch heute scheint es einen Fehler bei der Koordination gegeben zu haben. Der Zusammenstoß war allerdings so heftig, dass der Messwagen nach vorne geschoben wurde und jetzt einige Meter von der S-Bahn entfernt steht.
Ursache des Unglücks ist noch unklar
Nach dem Unfall wurde der Bahnsteig weiträumig abgesperrt. Die 130 Rettungskräfte konnten die Verletzten schnell retten. Innerhalb von 90 Minuten waren sie versorgt. "Wir haben hier perfekte Rettungsbedingungen und könnten auch größere Einsätze bewältigen", sagt der leitende Notarzt Jörg Beneker. Die S-Bahnlinien 2 und 25 waren zeitweise unterbrochen und verkehrten später längere Zeit unregelmäßig.
Es ist das erste Unglück, das auf dem Bahnhof Südkreuz passierte. Erst im Mai dieses Jahres wurde der Bahnhof neu eingeweiht, der früher Papestraße hieß. In mehreren Ebenen war er zum wichtigsten Bahnkreuz in Berlin nach dem Hauptbahnhof ausgebaut worden. Täglich passieren bis zu 12.000 Züge, bis zu 200.000 Menschen steigen hier jeden Tag um.
Die Polizei untersucht zurzeit, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Der Zugführer steht zurzeit noch unter Schock und kann nicht befragt werden. Ergebnisse soll es deshalb erst in einigen Tagen geben.