Besitzer in Sorge "Mein Bully soll leben"
Hamburg - "Mein Bully soll leben!", prangt in bunten Buchstaben auf dem T-Shirt des kleinen Jungen. Seine Großmutter hat ihn und seine beiden kleinen Geschwister zum Hamburger Tierheim mitgenommen. Ihr neun Monate alter American Staffordshire, "ein total lieber Familienhund, soll nach der neuen Kampfhunde-Verordnung des Hamburger Senats einen Maulkorb bekommen.
Manuela M.-Haufe ist nicht die einzige Kampfhundhalterin, die an diesem Morgen das Tierheim aufsucht. Mit ihr wartet eine Schlange von Herrchen, Frauchen, Pitbull und Staffordshire Terriern vor dem Hundebereich des Tierheims. Die Stimmung ist geteilt. Manche wollen ihre Ruhe haben, den Maulkorb für ihren Hund holen und schnell wieder nach Hause fahren. Andere nutzen die Gelegenheit, um ihre Meinung über die Kampfhundeverordnung kundzutun.
"Maulkorb und Leine sind o.k., aber nicht mehr", lautet Manuela M.-Haufes Forderung, die auch auf dem Rücken der Jeansjacke ihres zweiten Enkels zu lesen ist. "Ich habe Panik", sagt sie. "Mit dem Gedanken, dass der Hund eventuell eingeschläfert werden muss, werde ich nicht fertig." Sie holt eine Erlaubnis der Hansestadt Hamburg aus der Tasche. Das Schreiben stammt aus dem Jahr 1991 und erlaubt ihr nach Paragraf 2 der damaligen Verordnung über die Zucht von Kampfhunden und Haltern von Hunden, einen Mastino Napoletano zu halten. Die Erlaubnis kostete damals 150 Mark und war bald darauf wieder überholt. Die Hündin starb zehnjährig im vergangenen Dezember. "Wir hatten mit ihr nie Schwierigkeiten." Zum Trost kam der American Staffordshire ins Haus. Jetzt trägt er einen Maulkorb.
Das Anpassen der Maulkörbe, die in Hamburg fast ausverkauft sind, kostet Zeit. "Der da ist nicht gut, mit dem können die Hunde ja nicht mal hecheln", sagt die junge Tierpflegerin und legt einen Maulkorb aus Kunststoff beiseite. Es ist gar nicht so leicht, für die große Schnauze des Mastino Napoletano einen passenden Korb zu finden. Die Pflegerin sucht weiter, streichelt den Hund und muntert auch das Herrchen auf. Denn die meisten Halter wollen informiert und auch beruhigt werden. Mehr als 1000 Maulkörbe hat das Tierheim kurzfristig geordert. Seit Donnerstag sind die Pfleger pausenlos damit beschäftigt, zwischen den zahlreichen Größen und Formen den jeweils richtigen auszuwählen. Einige Größen sind in der Mittagszeit schon wieder vergriffen.
Im Tierheim an der Süderstraße sind zurzeit 240 Hunde untergebracht. 90 von ihnen seien Kampfhunde, sagt Leiter Wolfgang Poggendorf. "Und darunter über 80 Prozent Pitbulls." Er setzt weiterhin darauf, dass jeder Hund eine Chance bekommt. "Es gibt auch unter den Kampfhunderassen Tiere, die wir durchaus in ein vernünftiges Umfeld vermitteln können", betont er. Und freut sich, dass in der Nacht zum Freitag nicht ein einziger ausgesetzter Hund gefunden wurde. Am Tag zuvor waren es noch 16.
Die personellen Kapazitäten muss das Tierheim allerdings erweitern. "Wir appellieren an die Bevölkerung, in dieser besonderen Situation Tieren eine Chance zu geben und Tiere aus unserem Heim zu holen", sagt der Leiter. Denn inzwischen ist es eng geworden an der Süderstraße. "Abgabetiere" können derzeit nicht angenommen werden.
Desiree Warntjen