Beziehungen und Finanzen Macht ein gemeinsames Konto glücklicher?
»Gemeinsame Konten werden in guten Zeiten eröffnet«
Foto: RgStudio / E+ / Getty ImagesSPIEGEL: Nach einer Studie aus den USA sind Paare glücklicher, die ein gemeinsames Konto haben. Was macht ein gemeinsames Konto so attraktiv?
Hebenstreit: Es ist ein Vertrauensbeweis. Ich hatte eine Frau in Individualtherapie, die traurig darüber war, dass ihr Mann auf getrennte Konten bestand. Sie hatte das Gefühl, dass er Geheimnisse vor ihr hat.
SPIEGEL: Empfehlen Sie gemeinsame Kontoführung?
Hebenstreit: Das hängt von den Paaren ab. Wenn einer der Partner Schulden hat, empfiehlt sich kein gemeinsames Konto, weil dann beide für die Schulden verantwortlich sind. Ein gemeinsames Konto hat den Vorteil, dass es den Alltag einfacher und bequemer macht. Man muss sich nicht ständig Geld überweisen. Das Risiko ist aber, dass man füreinander haftet. Gemeinsame Konten werden in guten Zeiten eröffnet.
SPIEGEL: Was ist das Problem?
Hebenstreit: Über Geld spricht man nicht gern. Die meisten Paare wissen deshalb nicht, wie der andere mit Geld umgeht. Die Probleme treten erst später auf. Ich hatte eine Klientin, deren Mann alkohol- und drogensüchtig war, sie wusste nichts davon. Als das gemeinsame Konto leer geräumt war, kam alles heraus. Die Frau hatte einen kranken Mann und kein Geld.
SPIEGEL: Wie kann das bei einem gemeinsamen Konto so lange unerkannt bleiben?
Hebenstreit: In der Regel übernimmt einer der beiden Partner die Finanzen, auch bei einem gemeinsamen Konto. Der eine verlässt sich dann auf den anderen und kümmert sich stattdessen um andere Dinge. Das kann fatal enden. Ich habe eine Klientin, die ein gemeinsames Konto mit ihrem Mann hatte. Der ging fremd, schleuste das ganze Geld auf ein Konto, auf das sie keinen Zugriff hatte. Dann verließ er sie.