Bielefeld: Apothekerin lädt AfD-Wähler aus und kassiert negative Bewertungen auf Google - DER SPIEGEL
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Unternehmerin aus Bielefeld Apothekerin lädt AfD-Wähler aus – und kassiert negative Bewertungen auf Google

In einem viralen Video verkündet die Inhaberin der Panda Apotheke in Bielefeld, kein Geld mit Anhängern der rechtsextremen AfD verdienen zu wollen. »Meidet mein Umfeld«, sagt sie – und erntet rechten Widerstand.
Apotheke (Symbolbild)
Apotheke (Symbolbild)

Apotheke (Symbolbild)

Foto: Patrick Pleul / dpa

Elisabeth Kutter ist Apothekerin in Bielefeld – und eine aktuell viel diskutierte Frau auf der Plattform X. Ihretwegen ist das Schlagwort »Apotheke« derzeit weit oben in der Rangliste der »trending topics«. Nicht etwa, weil Kundinnen und Kunden sich lobend über Service und Expertise des Teams austauschen. Im Gegenteil: Die Panda Apotheke ist einem Shitstorm ausgesetzt.

Accounts empören sich in Beiträgen über die Inhaberin. Manche rufen zu negativen Rezensionen in Bewertungsportalen auf. Was war passiert?

Am Sonntag teilte die Apothekerin ein Video. Darin ist sie im Selfiemodus zu sehen, mit rotem Pullover und großer Brille. »Dies wird ein politischer Post«, verkündet Kutter darin gleich zu Beginn. Dann richtet sie sich an ihre Kundinnen und Kunden: »Jeder, der mit der AfD sympathisiert, sie wählt: Bitte meide meine Apotheke! Meide mein Team, meide mein Umfeld.« Sie wolle mit Sympathisanten der rechtsextremen Partei kein Geld verdienen. Diejenigen, die AfD wählen, sollen zur Konkurrenz gehen, sagt Kutter.

Das Video zählt inzwischen fast 100.000 Aufrufe. Auf X diskutieren zahlreiche Accounts über den Inhalt.

»Was stimmt mit dieser Frau nicht? Als Unternehmerin würde ich einen Teufel tun, mit gewaltigen Worten, meine Kunden von meinem Laden fern zu halten«, ist auf einem Account zu lesen. »Gibt es da eine Apothekerkammer, die aus moralischen Gründen eine derartige Person wie Frau Kutter ausschließen kann? Sie ist meines Erachtens nämlich menschlich, moralisch und charakterlich nicht dafür geeignet, eine Apotheke in Deutschland zu führen«, kommentiert ein anderer.

Tatsächlich gilt in Deutschland der sogenannte Kontrahierungszwang. Dieser verpflichtet Apotheken dazu, jede ordnungsgemäße ärztliche Verschreibung, also ein Rezept, zu beliefern und Patientinnen und Patienten mit den ärztlich verordneten Arzneimitteln zu versorgen. In der Regel kann eine Apotheke also nicht frei entscheiden, ob sie einen Kunden mit einem gültigen Rezept bedient oder nicht.

Dagegen will Kutter nach eigener Aussage nicht verstoßen: »Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich euch verhungern lasse. Natürlich werdet ihr bedient. Natürlich bekommt ihr eure Medikamente. Ihr bekommt den gleichen, hervorragenden Service, den wir allen Kunden anbieten. Aber mögen tu ich euch trotzdem nicht. Ihr seid einfach nicht willkommen«, sagte Kutter in einem weiteren Beitrag auf Instagram.

Ob ihre Apotheke in der Vergangenheit Kundinnen und Kunden Medikamente verweigerte, ist unklar. Eine Anfrage des SPIEGEL ließ Kutter bislang unbeantwortet. Auch ist ihr Account auf Instagram nicht mehr öffentlich einsehbar; das Profil der Apotheke auf Google nicht mehr auffindbar. Kutter hatte in einem Beitrag mitgeteilt, dass ihr Unternehmen dort vielfach negative Rezensionen erhalten habe. Die Bewertung fiel ihr zufolge von 4,7 Sternen auf etwa drei Sterne.

»Die braune Brühe« habe der Panda-Apotheke »den Krieg angesagt«, sagte Kutter. Davon werde sie noch ihren Enkelkindern erzählen. Gleichzeitig bedankte sie sich in einem Beitrag bei ihren Unterstützerinnen und Unterstützern. Zwischen den vielen kritischen und auch hämischen Kommentaren finden sich auch zustimmende Worte: »Danke. In Ihre Apotheke würde ich sehr gerne kommen. Bin Sachse«, schreibt ein Account. »Dankeschön für diese Haltung«, schreibt ein anderer.

atr