"Big Brother" UK: "Nasty Nick" wegen Manipulation gefeuert - DER SPIEGEL
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"Big Brother" UK "Nasty Nick" wegen Manipulation gefeuert

Englands Presse jubelt: Der ins Kreuzfeuer der Medien geratene britische "Big Brother"-Kandidat Nick Bateman wurde wegen Manipulation und Regelverstößen aus dem Londoner Wohncontainer ausgeschlossen. Abgesehen von öffentllicher Ächtung warten auf den 32-Jährigen lukrative Werbeverträge
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London - Er ist in Großbritannien der größte Fernsehbösewicht seit J.R. Ewing. Die Zeitungen bezeichneten ihn als den meist gehassten Mann im ganzen Land. Dabei hat Nick Bateman niemanden umgebracht, er hat kein Unternehmen in den Ruin geführt und auch nicht die Umwelt vergiftet. Er hat nur die Regeln einer Show gebrochen. Und dafür, das hat der "Große Bruder" entschieden, wurde er in die Verbannung geschickt.

"Nasty Nick" (etwa: der widerliche Nick) wurde am Donnerstag aus der britischen Version der Fernsehshow "Big Brother" ausgeschlossen, weil er die anderen Teilnehmer gegeneinander ausgespielt hatte. In seinem neuen Leben erwarten den 32-jährigen Versicherungsvertreter nicht nur die landesweite Ächtung, sondern auch lukrative Werbeverträge.

Der Ausschluss aus dem Wohncontainer war am Freitag der Aufmacher in den meisten Zeitungen. "Nick ist raus", schrieb die Boulevardzeitung "Sun". Selbst die sonst so seriöse "Times" sprach von einer gerechten Vergeltung für den Feind im System.

Genau wie im deutschen Fernsehen ließen sich in Großbritannien zehn Menschen in einen Container einschließen, wo sie ständig von Kameras überwacht werden. Alle zwei Wochen nominieren die Teilnehmer zwei aus der Gruppe, über deren Verbleib im Haus dann die Zuschauer entscheiden. Wer nach neun Wochen übrig bleibt, erhält 70.000 Pfund (225.000 Mark/115.000 Euro). Die Kombination aus Voyeurismus und Melodrama machte "Big Brother" auch in Großbritannien zu einem Quoten-Hit.

Selbst die solidesten Zeitungen berichten über die täglichen Streitereien und den bislang einzigen Kuss im Haus. Der unbestrittene Star der Show war jedoch Nick, der seine Mitspieler manipulierte, um die Nominierungen zu beeinflussen. Zu Beginn des Lebens im Container erzählte er den anderen, seine Frau sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Später gestand er, dass dies gelogen war. Die "Sun" startete daraufhin eine Kampagne mit dem Titel "Raus mit Nick". Die Redakteure versuchten, über dem Haus Flugblätter abzuwerfen, in denen sie die Teilnehmer auf Nicks Ränkespiele aufmerksam machen wollten.

Die Zeitungen überboten sich gegenseitig mit Verschwörungstheorien. Einige vermuteten, Nick sei von den Produzenten in den Container gebracht worden, um Unruhe zu stiften. Andere schrieben, er habe ein Mobiltelefon in seiner Unterwäsche ins Haus geschmuggelt und erhalte Anweisungen von außen. Am Donnerstag entdeckten die Mitbewohner, was ganz Großbritannien schon lange wusste: Nick hatte sie an der Nase herumgeführt und gegen die Regeln Papier und Bleistift mitgebracht, um so seine Strategie zu planen. Die Produzenten, die Nick bereits verwarnt hatten, disqualifizierten ihn.

Wieder in Freiheit sagte er Reportern, er sei nur ein normaler Mensch, der an einem ungewöhnlichen Experiment teilgenommen habe. Dieses Experiment wird Nick nach Ansicht von PR-Fachleuten viel Geld einbringen. Die erste aus dem Haus ausgeschlossenen Teilnehmerin, Sada Walkington, hat ihre Geschichte bereits an eine Zeitung verkauft, wurde von dem Internetunternehmen Yahoo.com für einen Werbespot ausgesucht und bekam ein Auto geschenkt. Der britische PR-Spezialist Max Clifford schätzt, dass Nick im nächsten Jahr bis zu einer Million Pfund (3,21 Millionen Mark/1,64 Millionen Euro) verdienen könnte.

Jill Lawless, AP