Biggs: Nostalgischer Räuber - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Biggs Nostalgischer Räuber

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Britanniens berühmtester Gangster ist pleite und kann nicht mehr für seine Arzt- und Pflegekosten aufkommen. Ronald Biggs, 71, der vor 35 Jahren aus London nach Rio de Janeiro flüchtete und mittlerweile nach drei Schlaganfällen nicht mehr sprechen kann, kündigte nun in einer E-Mail Scotland Yard seine Heimkehr an. In Großbritannien hätte Biggs Anrecht auf freie Gesundheitsversorgung. Den legendären Posträuber hat zudem die Nostalgie ereilt. "Als Engländer", so offenbarte Ronnie seinen letzten Wunsch, möchte er noch mal in seiner Heimatstadt Margate "in einen Pub gehen und ein Pint Bitter bestellen".

Biggs hatte im August 1963 mit mindestens 15 Komplizen bei einem spektakulären Überfall auf einen Postzug 2,6 Millionen Pfund erbeutet, wurde aber bald verhaftet und zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach 15 Monaten konnte der vormalige Bauarbeiter mit einer Strickleiter aus einem Londoner Gefängnis fliehen und gelangte nach einer Gesichtsoperation in Paris über Australien nach Brasilien.

Da er in Rio schnell eine Nackttänzerin schwängerte, lieferte ihn Brasilien nicht aus. Dank seines ausschweifenden Lebenswandels hat Biggs seinen Beuteanteil von 147.000 Pfund (nach heutigen Preisen rund fünf Millionen Mark) längst durchgebracht. Sein Anwalt in Rio bezweifelt dennoch, dass sein klammer Mandant sich wirklich stellt, wenn ihm seine britischen Verfolger nicht eine schnelle Begnadigung zusagen.