Propalästinensische Proteste an der HU Berlin Was die Uni-Besetzer hinterlassen haben
Berliner Humboldt-Universität nach der propalästinensischen Besetzung
Foto: Jens Kalaene / AFPEine Woche nach der Besetzung des Instituts für Sozialwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität ist das Ausmaß der Beschädigungen immer noch deutlich sichtbar. Im Inneren des Gebäudes sind auf allen Stockwerken Wände mit Schmierereien übersät, in manchen Fluren liegen umgestoßene Tische und Regale auf dem Boden. An den Wänden stehen Sprüche wie »Free Gaza« oder »Germany, didn’t you learn anything from the history?« (Deutschland, hast du nichts aus der Geschichte gelernt?). Die Universität ermöglichte Fotografen am Mittwoch zum ersten Mal nach der Besetzung Zugang zu dem Gebäude.
Im Treppenhaus kleben rote Handabdrücke an den Wänden. Auch das mit der Spitze nach unten gerichtete Dreieck, das von Hamas-Sympathisanten genutzt wird, wurde mehrfach an die Wände geschmiert (wofür das Symbol steht, lesen Sie hier).
Wände mit Sprüchen und Schmierereien
Foto: Jens Kalaene / AFP
Rote Handabdrücke im Treppenhaus
Foto: Jens Kalaene / dpa»In den Schmierereien kommt ein schockierender Antisemitismus und die Verharmlosung von Gewalt zum Ausdruck. Dies verurteilen wir aufs Schärfste«, teilte HU-Präsidentin Julia von Blumenthal der Nachrichtenagentur dpa mit. Die Universität will wegen der Sachschäden einen Strafantrag stellen und erstattet Strafanzeige wegen der Verwendung von Kennzeichen einer verbotenen Organisation. Dazu zählen den Angaben zufolge auch Beschmierungen wie das rote Dreieck. Darüber hinaus werde die Uni Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gegen Personen stellen, die das Institut nicht freiwillig verlassen hätten, erklärte von Blumenthal.
Polizisten beendeten am Donnerstag vergangene Woche die Besetzung der propalästinensischen Protestierenden. Die Universitätspräsidentin betonte, dass die Räumung nicht ihre Entscheidung gewesen sei. Insgesamt hatten sich laut einer Polizeisprecherin etwa 150 Aktivistinnen und Aktivisten im Gebäude befunden.
Das Institut teilte in einer Stellungnahme mit, den »gewaltvollen Vandalismus« und die Verwendung antisemitischer Symbole aufs Schärfste zu verurteilen. »Unser Institut ist und bleibt ein Ort für demokratischen, pluralistischen Austausch. Wir werden keinesfalls zulassen, dass in unseren Räumen Antisemitismus, Rassismus und andere Formen von Diskriminierung oder irgendeine Form von Gewalt Platz finden, und treten dem mit aller Entschlossenheit entgegen.«
Schriftzug »Genocide Joe« an der HU Berlin
Foto: Getty ImagesDie Universität möchte den Lehrbetrieb im Institut soll schnell wie möglich wieder aufnehmen. Aufräumarbeiten finden bereits statt. »Wir hoffen, das Gebäude in wenigen Wochen wieder öffnen zu können«, sagte von Blumenthal. Derzeit findet die Lehre online oder an anderen Standorten der Universität statt.