Studienfinanzierung: Deutschlandstipendium bleibt hinter Erwartungen zurück - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nischen-Projekt zur Studienfinanzierung Das Deutschlandstipendium dümpelt vor sich hin

Es sollte ein wichtiger Baustein zur Studienfinanzierung sein, doch noch immer werden weniger Studierende als geplant mit dem Deutschlandstipendium gefördert. Haushaltsmittel im Bildungsministerium bleiben ungenutzt.
»Von Beginn an nicht realistisch«: Das Deutschlandstipendium ist für das Deutsche Studierendenwerk keine echte Option zur Studienfinanzierung
»Von Beginn an nicht realistisch«: Das Deutschlandstipendium ist für das Deutsche Studierendenwerk keine echte Option zur Studienfinanzierung

»Von Beginn an nicht realistisch«: Das Deutschlandstipendium ist für das Deutsche Studierendenwerk keine echte Option zur Studienfinanzierung

Foto: Patrick Pleul / dpa

Das Deutschlandstipendium »wächst weiter«, meldet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf seiner Website  und suggeriert damit eine Erfolgsgeschichte des Projekts zur Studienfinanzierung. Tatsächlich bewegt sich der Zuwachs auf ziemlich überschaubarem Niveau: Gerade einmal 31.424 Studierende wurden im vergangenen Jahr bundesweit mit dem Deutschlandstipendium gefördert – 1,1 Prozent der knapp drei Millionen Studierenden und damit drei Prozent mehr als 2022.

Die Geförderten erhalten monatlich 300 Euro, je zur Hälfte finanziert von privaten Stiftern und aus dem Haushalt des Bildungsministeriums. Auf diese Weise konnten 2023 private Mittel in Höhe von 33 Millionen Euro zur Studienförderung eingeworben werden.

Mehr zum Thema

Das BMBF verfehlt damit jedoch gleich zwei eigene Zielmarken: Als das Stipendium 2011 an den Start ging, wurde das bis heute gültige Ziel ins Gesetz aufgenommen , schrittweise acht Prozent der Studierenden zu fördern. Und selbst die per Verordnung  weit nach unten korrigierte Förderquote von 1,5 Prozent der Studierenden, die Basis für die Haushaltsplanungen ist, wurde bisher noch nie erreicht.

»Acht-Prozent-Marke aus dem Gesetz streichen«

»Die Regierung sollte sich ehrlich machen und die Acht-Prozent-Marke aus dem Gesetz streichen«, sagte Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks (DSW), dem SPIEGEL. »Das Ziel war von Beginn an nicht realistisch.« Es gebe in Deutschland keine ausgefeilte Stipendienkultur, das zeige sich auch bei den jetzt vorliegenden Zahlen für 2023: »Mehr als 1,5 Prozent der Studierenden mit Deutschlandstipendium scheint aus heutiger Sicht nur schwer zu erreichen.«

Mehr zum Thema

Die niedrige Nachfrage nach dem Programm sorgt dafür, dass eingeplante Haushaltsmittel, die eigentlich zum Aufstocken der privaten Spenden gedacht waren, zurück in den allgemeinen Bundeshaushalt fließen. »Die Bundesregierung könnte dieses Geld besser nutzen, um die bisher unvollständige Digitalisierung des Bafög weiter voranzubringen«, sagte DSW-Chef Anbuhl.

Er freue sich zwar für alle Studierenden, die ein solches Stipendium erhalten, aber: »Eine Basis für eine dauerhafte, solide Studienfinanzierung war das Deutschlandstipendium nie.« In Zeiten einer angespannten öffentlichen Haushaltslage müsse es eine gute Begründung geben, um Millioneninvestitionen in ein solches Programm zu rechtfertigen.

Mehr Breite, weniger Spitze

Anbuhl forderte, dass eine sinnvolle Unterstützung nicht allein auf die Leistungselite abzielen dürfe. »Es muss darum gehen, dass eine immer diversere Studierendenschaft profitieren kann. Das betrifft Studierende aus nicht-akademischen Familien, Studierende mit Kind und Pflegeaufgaben, aber auch internationale Studierende und Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen.«

Das Herzstück staatlicher Studienfinanzierung müsse daher das Bafög bleiben. Es biete bedürftigen Studierenden einen Rechtsanspruch. »Hier muss die Bundesregierung mehr investieren als geplant«, so Anbuhl. Nach den aktuellen Reformplänen aus dem BMBF ist eine Bafög-Erhöhung derzeit jedoch nicht vorgesehen.

him