Billiger Tabak: Der PC als Zigarettenautomat - DER SPIEGEL
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Billiger Tabak Der PC als Zigarettenautomat

Auch im Netz gibt's Raucherecken: Internetfirmen liefern günstig Zigaretten aus dem Ausland. Innerhalb der EU ist diese Praxis rechtlich umstritten, außerhalb der Europäischen Union ist sie illegal.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Sie heißen "Smoke Farm" oder "Low Price Cigarettes". Sie liefern nach Mausklick und Bestellung per Kreditkarte. Sie bieten eine Stange Zigaretten zu Preisen, die in deutschen Geschäften nicht zu finden sind: Markenware wie "Benson & Hedges" beispielsweise zu 47 Mark statt 55 Mark. Möglich wird das günstige und ganz legale Angebot durch die niedrigen Mehrwert- und Verbrauchssteuern in einigen EU-Ländern. Viele der Anbieter haben ihren Sitz in Spanien - dort sind die Steuern besonders gering.

Bis zu vier Stangen Zigaretten (mit je 10 Packungen) können die Kunden unbesorgt aus EU-Ländern bestellen: "Solange die Zigaretten nicht für den Handel bestimmt sind, haben wir keine Möglichkeit, etwas zu unternehmen", sagt Johannes Fried, Pressesprecher des Hamburger Zollamtes. Ab einer Bestellung von vier Stangen steht man unter Handelsverdacht. Doch auch Pakete mit mehr als vier Stangen haben gute Chancen auf freie Fahrt: "Wir kontrollieren zwar den Postverkehr, hauptsächlich aber aus Nicht-EU-Ländern."

Die Stange für 41 Mark

Zum Beispiel verdächtige Päckchen aus der Schweiz. Hier hat sich ein Anbieter ein scheinbar besonders pfiffiges Modell ausgedacht: Sendcigarettes.com ist die nach eigenen Angaben erste Website, hinter der ein "bonded warehouse" steht: Die Zigaretten werden im Herstellungsland nicht besteuert und in der Schweiz auf neutralem Boden steuerfrei gelagert. Die Anbieter behaupten, der Versand von bis zu 200 Zigaretten sei ebenfalls steuer- und zollfrei. Eine Stange Benson & Hedges bieten sie zu etwas mehr als 41 Mark an. Ganz legal?

Die deutsche Zollfahndung sieht die Sache in diesem Fall nicht so: Grundsätzlich gebe es keine Freimengen im Postverkehr, war auf Anfrage zu erfahren. "Der Besteller muss Einfuhrumsatzsteuer, Zoll und die deutsche Verbrauchssteuer bezahlen", so Fachreferent Klaus Lindemann. Wenn man das aber bezahlt hätte, sei die "günstige" Bestellung letztlich teurer als der Einkauf in einem beliebigen deutschen Geschäft.

Viele illegale Zigaretten-Päckchen aus der Schweiz sind dem deutschen Zoll jedoch durch die Lappen gegangen: Nur bei drei Prozent aller Lieferungen nach Deutschland musste Sendcigarettes.com nach eigenen Angaben verzollen. In England wurden immerhin 25 Prozent der Päckchen abgefangen. Unterdessen liefert die Schweizer Firma nicht mehr in EU-Staaten: Der neue Online-Store für den europäischen Markt aber befinde sich im Aufbau, kündigt sie auf ihren Webseiten an.

Wie hoch der jährliche Verlust an Steuereinnahmen durch den Internethandel ist, das lässt sich bisher nicht beziffern.