Billigsekt-Test: Muffig, unsauber, pappig - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Billigsekt-Test Muffig, unsauber, pappig

Den Testern blieb oftmals der Schluck im Halse stecken. Rechtzeitig zu Silvester haben Experten eine Reihe von Billig-Sektsorten verköstigt. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Köln - Der Geschmack hatte was von "verbrannten Autoreifen", der Geruch erinnerte an "Hühnerstall" oder war schlicht "muffig" oder "unangenehm". Der WDR-Hörfunk veröffentlichte am Donnerstag in Köln die Ergebnisse eines Tests, bei dem Experten zehn Sektsorten zu Preisen unter 3,50 Euro (knapp sieben Mark) sowie zwei teurere Marken einer Verkostung unterzogen. Billigsekt, so die Schlussfolgerung, ist "oft selbst seinen niedrigen Preis nicht wert".

60 Prozent der in einem standardisierten Blindtest geprüften Tropfen erreichten nicht die Note befriedigend. Ein glattes "mangelhaft" gab es beim WDR-Test für den italienischen Vertreter "Massimo Spumante" und den DLG-prämierten Beeren-Perlwein "Graf Artos". Die Tester bemängelten bei beiden Kandidaten muffigen und anderen unangenehmen Geruch sowie einen bereits fortgeschrittenen Oxydations-Prozess. Auch bei anderen Sekten gab es Bewertungen wie: "unsauber", "langweilig, pappig" und "mit Kohlensäure aufgepeppt".

Rühmliche Ausnahme war ein trockener Aldi-Sekt, Marke "Auerbach", zum Preis von 4,98 Mark. Er erhielt die Gesamtnote 2,8 und wurde damit Testsieger. Einen Trost hat der WDR bereit: Die chemische Analyse habe ergeben, dass von dem Billig-Gebräu trotz des teilweise grauenvollen Geschmacks eine Gesundheitsgefahr nicht ausgehe.

Dabei seien sich die Fachleute einig gewesen: Bei einem Preis von weniger als drei Mark wie bei der Marke "Römer Krönung" könne eigentlich kein vernünftiges Produkt mehr angeboten werden. Martin Kühn, Weinkontrolleur des Landes Nordrhein-Westfalen, zu der Preiskalkulation bei Sekt: "Auf jede Flasche kommen zwei Mark Sekt-Steuer und 50 bis 70 Pfennig für die Ausstattung, also Etikett, die Flasche und den Verschluss. Dazu kommen mindestens 40 Pfennig Mehrwertsteuer. Da kann sich jeder ausrechnen, wie viel bei seinem Sekt für den Grundwein übrig bleibt."

Die Billigprodukte würden nach dem Rezept hergestellt: minderwertiger Wein, ein wenig Säure und Zucker - fertig ist die Silvester-Brause, berichtete der WDR. Geschmackssicher hätten die Fachleute die Billigsekte wie den spanischen "Don Cavall", Note 3,4, oder den Riesling-Sekt "Feist", Note 4,3 erkannt. Aber auch den im Test-Korb versteckten Champagner "Vauve Monsigny" für 19,98 Mark, der zum Vergleich nach demselben Verfahren getestet worden sei, hätten sie herausgeschmeckt. Er sei mit der Note 3,3 nur auf Rang sechs gekommen - die Tester hätten auch hier alte und muffige Grundweine ausgemacht.