Klüger werden mit: Birgit Kosthaus
SPIEGEL: Sie bieten in Ihrer Hundeschule »Wolfsspiele« Unterricht für Hundephobiker an. Ist das trotz Leinen- und Maulkorbzwang nötig?
Kosthaus: Ja. Denn erstens halten sich zu viele Hundebesitzer nicht an die Vorschriften, und zweitens beginnt die Phobie nicht bei irgendeiner Zentimetermarke. Auch die kleinen Kläffer können bei Menschen Angstzustände auslösen.
SPIEGEL: Wie äußert sich diese Angst?
Kosthaus: Durch Nervosität, Schweißausbrüche, Herzrasen, unkontrolliertes Verhalten. Ich hatte eine Frau hier, die ihr Haus nur noch verlassen konnte, um in den Zoo zu gehen, weil dort Hunde verboten waren.
SPIEGEL: Wie nehmen Sie diesen Menschen ihr Handicap?
Kosthaus: Zunächst rede ich mit ihnen über die Ursache für ihre Ängste. Es gibt dafür fast immer ein auslösendes Erlebnis. Das kann ein kleiner Schreck gewesen sein, ein Biss oder die in den Medien verbreiteten, schrecklichen Bilder von Kampfhunden. Ich erkläre verschiedene Verhaltensweisen von Hunden und wie man darauf reagieren sollte.
SPIEGEL: Gibt es auch direkten Kontakt zu den Hunden?
Kosthaus: Nach dem theoretischen Teil nehme ich die Schüler mit in die Welpengruppe. Vor den Wollknäulen, die oft kaum nach Hund aussehen, fürchten sich selbst Phobiker äußerst selten. Schließlich stelle ich ihnen meine Retriever-Hündin Muffin vor. Wenn es gut läuft, gehen wir gemeinsam spazieren.
SPIEGEL: Und die Angst ist danach für immer fort?
Kosthaus: Das ist unterschiedlich. Aber die meisten bleiben vor Schreck nicht mehr wie angewurzelt stehen, starren den Hund an oder rennen gar schreiend weg. Zwei ehemalige Schüler von mir werden sich demnächst sogar einen Hund zulegen.