Bischofskonferenz in Münster Alte Debatte um neue Wege
Bischöfe bei Eröffnungsmesse: Barmherzigere Lösungen?
Foto: Rolf Vennenbernd/ dpaMünster/Rom - Bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Münster wird am Mittwoch der neue Vorsitzende gewählt. Im Vorfeld diskutierten die Bischöfe bereits die brennenden Fragen, mit denen sich auch das neue Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland befassen werden muss. Unter anderem: die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten.
Den Vorstoß machte Kurienkardinal Walter Kasper. In der italienischen Zeitung "La Repubblica" sagte er, eine Wiedereingliederung sei nach einer Periode der Buße denkbar. "Es ist doch unvorstellbar, dass ein Mensch in ein schwarzes Loch fallen kann, aus dem Gott ihn dann nicht mehr herausziehen kann", so der vom Papst geschätzte Kardinal. Jede Sünde könne vergeben werden - wobei er nicht die Lehre der Kirche ändern wolle.
Eine Wiederheirat nach einer Scheidung gilt in der katholischen Lehre als Sünde. In der Bischofskonferenz wird schon länger über eine barmherzigere Lösung nachgedacht - allerdings im Einklang mit den Dogmen der Kirche. Ein Umdenken wird für die katholische Kirche immer notwendiger, viele Betroffene fühlen sich ausgegrenzt. Die mächtige Glaubenskongregation in Rom beobachtet dies jedoch mit Skepsis - und nach wie vor auch einige deutsche Bischöfe.
Die diskutierten am zweiten Tag ihrer Zusammenkunft über dieses Thema und andere grundsätzliche Herausforderungen für die Kirche. Allerdings ohne Beschlüsse zu fassen. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa sagte, er sei gegen pauschale Lösungen, sondern vielmehr für die genaue Betrachtung der Einzelfälle. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick forderte, mehr Wert auf andere weltkirchliche Fragen wie Flüchtlingspolitik, Umweltschutz oder Menschenrechte zu legen.
Die Beratungen dienten der Vorbereitung für die Wahl eines neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Der bisherige Amtsinhaber, der 75-jährige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, wird aus Altersgründen nicht noch einmal zur Wahl antreten. Wer ihm folgt, ist offen. Es gibt jedoch einige Favoriten. (Lesen Sie hier, welche Kandidaten hoch gehandelt werden.)
Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki nutzte die Versammlung, um noch ein anderes Thema in den Fokus zu rücken. In einem Gottesdienst wandte er sich gegen Sterbehilfe und rief die katholische Kirche auf, von ihrer Position in dieser heiklen Frage nicht abzurücken. "Es kann an dieser Stelle für uns keinen Kompromiss geben", sagte er. "Aktive Sterbehilfe ist Tötung auf Verlangen beziehungsweise Beihilfe zur Selbsttötung, eine 'Hilfe', die diesen Namen nicht verdient, weil sie nicht das Leben, sondern den Tod anstrebt."